Freitag, 27. November 2015

Von unpolitischen Menschen

Ich bin im Grunde meines Herzens ein sehr unpolitischer Mensch. Ja, ich gehe brav wählen, sogar zur Europa-Wahl. Und ich beteilige mich auch gelegentlich an Volksabstimmungen. Ich mache mein Kreuzchen und weiß doch – es wird sich nichts ändern. Die Politik der „großen“ Parteien ist nahezu identisch nur mit einem anderen Etikett drauf. Klar kann man „Die Partei“ wählen oder die APPD (Alternative Pogo Partei Deutschlands), man kann sich aber auch genauso gut einen Knopf an die Backe nähen und so lange drehen, bis man den RIAS empfängt (die Älteren von Ihnen werden sich erinnern).

Aber im Grunde fühlt man sich als Bürger doch machtlos. Manchmal wählt man sogar eine Partei, weil einem der Spitzenkandidat sympathisch ist und dann tritt der kurz nach der Wahl zurück.

Es war ja auch lange Zeit populär, unpolitisch zu sein. Es war ja auch alles gut. Entweder regiert die SPD oder die CDU mit irgendwem zusammen und alles läuft mehr oder weniger gut weiter wie bisher. Na klar gibt es Gemauschel und so weiter aber so ist das eben „da oben“.

Ich war einige Zeit im Betriebsrat eines relativ großen Konzerns (nein, nicht VW!). Ich habe an den Sitzungen an meinem Standort teilgenommen und an diversen Gesamtbetriebsratssitzungen in der Zentrale. Und was soll ich sagen? Alle versuchten natürlich, das Beste für ihr jeweiliges Arbeitsgebiet herauszuholen. Natürlich tat man immer so, dass man das Beste für alle Mitarbeiter, die man vertrat, wollte. Aber hey – erstmal die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen. Ich selbst war auch nicht besser. Ich war gerade schwanger und natürlich setzte ich mich dafür ein, dass Sonderzahlungen auch an Personen in Elternzeit weiter in voller Höhe gezahlt werden. Hallo?! Klar macht man das, wenn man die Gelegenheit hat.

Ich habe das alles nur im ganz kleinen Rahmen kennengelernt, bin mir aber hundertprozentig sicher – so läuft es überall ab. Jeder versucht, das möglichst Beste für seinen Bereich herauszuholen.

Warum erzähle ich das alles?

Ich habe mich lange davor gescheut, politisch Position zu beziehen. Ich habe keinen Bock auf Diskussionen mit Idioten, egal welcher Couleur (schreibt man das so? Googlen Sie selbst!). Ich sehe es Tag für Tag auf Twitter, wie Leute versuchen, in 140 Zeichen ihre Meinung durchzudrücken. Und da habe ich keine Lust drauf. Es ist unmöglich und es ist sinnlos. Es hat sich noch nie (und da lege ich mich fest) jemand durch eine Twitter-Diskussion eines Besseren belehren lassen. Egal, ob es um Rechtschreibung, Star Wars, Käsekuchen, Impfen oder Politik geht. Und das ist in allen sozialen Netzwerken so, können Sie mir nix erzählen.

Dennoch möchte ich hiermit einmal klarstellen, welche Position ich beziehe. Verwickeln Sie mich bitte nicht in Diskussionen, ich werde nicht darauf eingehen.

Ich finde es richtig, Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Ich finde es richtig, sie zu integrieren. Ich finde es falsch, sie in riesengroßen Massenunterkünften unterzubringen. Ich finde es furchtbar, sie im Kalten irgendwo draußen warten zu lassen. Ich finde es unentschuldbar, wie durch manche Medien Panik und Angst verbreitet wird. Ja – auch ich habe Angst. Ich habe Angst, dass in diesem Land etwas ähnliches passiert wie vor ca. 100 Jahren. Dass Menschen gebrandmarkt werden. Vielleicht habe ich sogar ein bisschen Angst vor einem Terroranschlag, aber nicht so sehr, weil er mich betreffen könnte, sondern vor den Folgen. Den Folgen für unsere Freiheit. Für unsere Meinungsfreiheit. Unsere Bewegungsfreiheit.

Wie ich schon sagte ich bin ein unpolitischer Mensch. Ich maße mir nicht an, alle globalen Zusammenhänge zu kennen oder zu erkennen. Ich bekommen meine Informationsbröckchen über die gängigen Tageszeitungen und setze sie zu einem unvollständigen Bild zusammen. Viel mehr kann ich nicht tun. Aber wenn ich sehe, was ein Herr Trump in den USA von sich gibt. Oder ein Herr Lucke in Dresden / Erfurt / wasweissich. Oder ein Herr Seehofer in Bayern. Dann möchte ich bitte einen großen Eimer gereicht bekommen und kotzen.

Nein – ich habe auch keine Lösung parat. Ich bin kein Zauberer, sondern einfach nur ein fühlender, denkender Mensch. Und ich möchte einmal klipp und klar meine Position darlegen. Ich verabscheue rechtes Gedankengut. Ich unterstelle jedem Menschen per se erstmal nur die besten Absichten. Ich bin aber nicht naiv und weiß, dass es genügend schlechte Menschen auf der Welt gibt. Aber ich möchte nicht glauben und ich möchte es mir auch nicht vorstellen, dass diese Menschen die Oberhand gewinnen. Ich glaube an das Gute im Menschen (wer was anders behauptet, kriegt ein paar aufs Maul!).

So – machen Sie aus diesem Text, was Sie wollen. Aber bitte versuchen Sie nicht, mir irgendwelches krude Gedankengut unterzuschieben.


Danke.

Donnerstag, 3. September 2015

Ein Bild

Ein Bild von einem toten Kind. Klein, unschuldig, niedlich. Aber - tot.

Das kann man finden, wie man will. Aufklärerisch. Reißerisch. Schockierend. Grausam.

Ich habe leider im großen weiten Netz schon zu vieles gesehen, was ich nicht sehen wollte. Geköpfte Frauen, gekreuzigte Jungs, auch schon andere tote Kinder.

Ich habe Berichte (ob fiktiv oder nicht) über Fluchten gelesen, bei denen Kinder über Bord geworfen wurden, weil sie zu laut waren.

Das alles kumuliert sich und plötzlich kommt dann noch so ein Bild dazu von einem Kind im Alter meines Kindes. Und ich frage mich - was hat es gefühlt?
Was fühlen alle diese kleinen Kinder auf der Flucht. Unsere Kinder haben sich mit einem Umzug ein paar Strassen weiter schwer getan. Und diese Kinder müssen in ein fremdes Land, in völliger Ungewissheit, wo sie letztendlich ankommen.

Man muss kein Pädagoge sein, um sich in diese kleinen Wesen hineinzuversetzen. Wir alle waren einmal Kinder. Kinder mit Ängsten. Kinder, die nachts zu ihren Eltern ins Bett gekrochen sind. Kinder, die Verlustängste hatten. Kinder, für die ihre Eltern die großen Helden waren, die alles wussten und mit denen an der Seite einem nichts passieren kann. Und dann ist Mama plötzlich weg, Papa ist nicht zu sehen und das kleine Kind ist alleine im großen Meer.

Ich war jüngst in Schweden. In Schweden gibt es bekanntlich viele Seen. Wir mieteten uns ein Boot, die Kinder und auch wir hatten natürlich Rettungswesten an. Trotzdem hielt ich das kleine Kind, das - auch wenn es glaubt, wenn es eine Badehose anhat, wäre es quasi ein Fisch - kein bisschen schwimmen kann, die ganze Zeit fest an mich geklammert. Und dachte an all die Mütter, denen es nicht gelungen ist, ihr Kind festzuhalten.

Ich habe nicht jetzt erst angefangen nachzudenken. Doch jetzt ist zu den Bildern in meinem Kopf noch ein reales Bild hinzugekommen. Ich hätte darauf verzichten können, doch geändert hätte sich dadurch nichts. Zuviele Kinder, Frauen und Männer sterben einen völlig sinnlosen Tod im Mittelmeer.

Bitte hört auf, euch wegen der Veröffentlichung eines Bildes zu zerfleischen. Man kann auch Zahnpasta nicht in die Tube zurück drücken.

Helft. Helft, so gut ihr es könnt. Und wenn ihr nur ein paar Euro an eine Hilfsorganisation spendet. Oder einen Schlafsack bei einer Sammelstelle abgebt.

Ein Bild von einem toten Kind. Vielleicht ist es ja doch zu etwas gut. Ich hoffe es aus ganzem Herzen.

Donnerstag, 16. April 2015

Regretting motherhood? Never!


Edith Piaf war eine sehr kluge Frau. Kluge Frauen sagen kluge Dinge.

„Non, je ne regrette rien!“ – Nein, ich bereue nichts!
 

Das gilt auch für mich. Eigentlich immer, ganz besonders aber auf das Thema Muttersein bezogen. Der Hashtag #regrettingmotherhood, der seit einigen Tagen durchs Netz wandert, musste bei mir erst einmal sacken. Ich las ein paar Tweets dazu und auch den wunderbaren Post meiner Bloggerkollegin, den ihr hier findet. Und ich machte mir ein paar Tage Gedanken, ob ich in den vier Jahren meines Mutterseins schon einmal bereut habe, ein Kind bekommen zu haben. Und ich kann mich ganz ehrlich an keinen einzigen Moment erinnern!

Natürlich gab es schlaflose Nächte, blutig gekaute Nippel, vollgekotzte Betten, brüllendes Kleinkind auf Fußweg, vollgeschmierte Wände und vieles mehr. Genauso natürlich hab auch ich mal die Nerven verloren, mich nach einer Mütze voll Schlaf gesehnt oder mir jemanden gewünscht, der das Kind mal ein paar Stunden mitnimmt.

Dann habe ich Nippelcreme aufgetragen und die Zähne zusammengebissen, mitten in der Nacht Wäsche gewaschen und dem armen Würmlein, das kotzend über dem Klo hing, den Rücken gekrault und Tee gekocht. Ich hab mich neben mein Kleinkind auf die Straße gesetzt und gewartet bis der Anfall vorüber war. Um das Geschmiere an der Wand habe ich einen Rahmen gemalt und es zur Kunst deklariert, und manchmal habe ich das Kind einfach mal jemandem ein paar Stunden mitgegeben. Aber niemals habe ich mir gedacht „Hätte ich doch bloß nicht dieses Kind bekommen, wie schön wäre mein Leben dann!“

Nun habe ich vielleicht Glück gehabt, weil mein Kind ein recht unproblematisches Kind ist, das meistens macht, was ich ihm sage, mich abgöttisch liebt, kaum Wutanfälle kriegt und ein überaus lustiger Zeitgenosse ist. Aber ganz so einfach ist die Rechnung dann doch nicht. Wie die meisten hier wissen, bin ich (zumindest bisher) alleinerziehend. Und arbeite Vollzeit. Das heißt, es gibt eigentlich niemanden, der mir im Alltag unter die Arme greift, mal mit anpackt, das Kind mal zur Kita bringt oder abholt oder es abends ins Bett bringt und wartet bis es eingeschlafen ist. Es gibt auch niemanden, der vermittelnd interveniert, wenn wir uns doch mal streiten. Mein Leben besteht also wirklich ziemlich ausschließlich aus Arbeiten, Schlafen und ums-Kind-Kümmern. Jeden Tag. Da bleibt nicht viel Zeit für mich, meine Hobbys oder Freunde. Und das unterscheidet sich ziemlich von dem Leben, das ich noch vor vier Jahren geführt habe. Aber ehrlich gesagt mag ich mein Leben jetzt trotzdem viel mehr. Warum? Weil das Kind in meinem Leben ist.

Nun bin ich auch wirklich mit Leib und Seele Mutter. Ich liebe Kinder. Alle Kinder. Ich liebe es, die ganz kleinen im Arm zu halten und sie zu schuckeln, wenn sie weinen. Ich liebe es, den mittelgroßen beim Entdecken der Welt zuzusehen und mit ihnen absurde Gespräche zu führen. Und ich liebe auch die Großen, mit ihren ernstzunehmenden Gedanken und Sorgen. Ich kann mich gut in Kinder hineinversetzen und ich habe Verständnis dafür, warum manche Dinge einfach so sein müssen, wie sie es sich vorstellen.

Ich gehöre sogar zu den unmöglichen Eltern, die nicht glauben, dass sie irgendwas in der Erziehung ihrer Kinder falsch gemacht haben. Auch wenn meine Eltern, meine kinderlose Schwester oder wildfremde Leute manchmal meinen, ich sei zu nachgiebig. Ich hör da primär auf mein Bauchgefühl, weil ich nämlich mein Kind und mich ziemlich gut kenne, und weiß, was uns guttut. Und für alle, die Kinder haben wollen, oder gerade dabei sind, welche zu bekommen, und sich einen Kopf machen, wie das alles gehen soll, habe ich eigentlich nur drei Ratschläge:
 

1.      Alles ist nur eine Phase. Und geht vorüber.

2.      Pick your fights wisely!

3.      Nimm deine Kinder ernst.
 

Nummer 1 ist eigentlich ganz einfach. Egal wie viele schlaflose, durchweinte Nächte aufeinanderfolgen, die gehen vorbei! Egal, wie lange das Kind jede Nacht angedackelt kommt, oder gleich im Bett schlafen will, das geht vorbei! Egal wie trotzig oder missmutig das Kind mal ist, das geht vorbei. Egal, wie lange das Kind vielleicht noch einen Schnuller oder eine Windel oder sonstwas braucht – auch das geht vorbei. Da muss man sich gar nicht so einen Stress machen. Immer mal wieder versuchen, dranbleiben, auch mal aussitzen, aber nicht verrückt machen lassen.

Zweitens ist eigentlich genauso einfach. Natürlich brauchen Kinder Regeln und Grenzen. Da sind sie wie kleine Hunde. Aber man muss wirklich nicht jeden Scheiß ausdiskutieren, oder alles verbieten, oder zu strikte Regeln haben. Sachen, die wichtig sind, müssen ausgefochten werden. Aber den 2. Schokoriegel oder das lila T-Shirt zur grünen Hose oder andere Kleinigkeiten, sind eigentlich piepegal und da kann man auch mal alle fünfe grade sein lassen. Und wenn man es irgendwann nicht mehr schafft, jede Nacht viermal aufzustehen und ein brüllendes Kind im Nachbarzimmer zu beruhigen und wieder einzuschläfern, dann ist es völlig ok, wenn es im gleichen Zimmer, oder gleichen Bett schläft. Wichtig ist, dass alles ihren Schlaf kriegen, um auch die Herausforderungen des nächsten Tages meistern zu können.

Und das wohl wichtigste ist das Ernstnehmen der kleinen Nervbacken. Das sind nämlich weder kleine Idioten, die nichts wissen und nichts können, noch kleine Erwachsene, die alles können und verstehen müssen. Das sind Kinder. Und die brauchen Erwachsene, die sie lieben und die froh sind, dass sie da sind. Sie brauchen Eltern, die Ihnen zeigen können, wie schön es ist zu leben und wie wichtig es ist füreinander da zu sein. In guten wie in schlechten Zeiten.

Und genau deshalb bereue ich keine einzige Minute lang, dass ich Mutter geworden bin. Ganz im Gegenteil, ich hätte gern noch ein Kind. Das ist dann nämlich noch lustiger und schöner.

Mittwoch, 8. April 2015

Regretting Motherhood?

Da ich über Ostern nicht  wirklich zum twittern und lesen im Internet gekommen bin, habe ich heute erst den Hashtag #regrettingmotherhood mitbekommen. Ich habe ein paar Tweets gelesen und mich durch diverse Blogbeiträge geklickt. Und ich habe viele Gedanken gefunden, die so oder so ähnlich  auch durchaus von mir hätten stammen können.

Ich habe ja vor einiger Zeit schonmal über meine postpartalen Depressionen geschrieben: Wunschkind http://frauschreiberling.blogspot.com/2013/12/wunschkind.html. Aber das hat ja im Grunde nichts mit dem Bereuen der Mutterschaft zu tun, da es sich dabei ja tatsächlich um eine "Krankheit" handelt, die relativ gut behandelbar ist, so man sich denn Hilfe sucht.

Bei dem Thema "Bereuen der Mutterschaft " geht es ja eher um eine Grundeinstellung, eine Ernüchterung, eine Überforderung durch die gesellschaftlichen Konventionen. Es geht nicht darum, dass man die Frucht seiner Lenden an machen Tagen ungespitzt in den Boden rammen möchte, weil die lieben Kleinen gerade mit dem sauteuren Eyeliner von Lancome die Laura Ashley-Tapete verschönert haben. Oder weil man um 16.30h zum Ballettkurs muss, das Kind aber lieber den "Ich will nicht  und ich schmeiss mich jetzt hier auf den Boden"-Tanz vollführt.

Es geht darum, dass das gesamte Leben mit Kind(ern) nie wieder so sein wird wie vorher. Dass jemand, der bis zur Befruchtung ein freies, erfolgreiches, unkonventionelles Leben geführt hat, sich plötzlich wiederfindet in einem verdammten Alptraum aus Schlaf-, Hilf- und Ahnungslosigkeit. Mittlerweile glaube ich keiner Mutter mehr, die behauptet, mit ihrem Baby/Kleinkind gäbe es eigentlich nie Probleme, ab und zu quengelt es mal ein bisschen, ganz normal, aber mit Liebe und Konsequenz kriegt man das alles hin. MY ASS!!! Wer noch nie heulend neben seinem rumbrüllenden zweijährigen gehockt und sich gewünscht  hat, die Uhr ein paar Jahre zurückzudrehen, werfe die erste volle Windel. Wer noch nie einen Tobsuchtsanfall eines sechsjährigen Kindes erlebt hat, weil der Fernseher ausgemacht wurde und sich daraufhin schwor "die Scheisskiste eben aus dem Fenster zu werfen", reiche mir die Fernbedienung.

Kinder bringen einen an seine Grenzen. Körperlich und geistig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Oder wie oft schleppen Sie ein brüllendes Kind, 2 schwere Einkaufstüten, den Rucksack des großen Kindes und eine Handtasche mit der allernötigsten Grundausstattung  (Pflaster, Kaugummis, Schokobons, Wasser, Zaubersalbe, Brezeln, Papier und Stifte, 10 Pixiebücher und ein Notkuscheltier) in den 4. Stock eines Berliner Altbaus? Und wie gut verkraften Sie das, nach einem 8stündigen Arbeitstag, an dem der Chef "umgehend die Zahlen für das 1. Quartal haben wollte und sind die Schreiben an die XY AG schon rausgegangen warum haben Sie die Mail an Dr. Kleinert noch nicht versandt und was ist eigentlich aus der Anbahnung des 2 Millionen -Geschäfts geworden?"
Und dann haben Sie vielleicht noch vergessen, den Kindern eine Süßigkeit mitzubringen und sind "die blöde Mama!!!". Wer würde in so einem Moment die Mutterschaft nicht bereuen?

Nun habe ich aber viel über die gesellschaftlichen Zwänge gelesen, dass andere Mütter einen mit ihren Dinkelvollkornkeks-5KurseproWoche-Designerklamotten-Vorstellungen unter Druck setzen würden. Immer wieder liest man ja von diesen ominösen Hubschrauermüttern. Aber - ganz ehrlich - ich habe noch nie im wirklichen Leben eine solche Mutter kennengelernt. (Umkehrschluss - bin ICH vielleicht diese Mutter???)

Seit nunmehr 6 Jahren unterhalte ich mich mit anderen Eltern. Erst in der Krabbelgruppe, dann beim Kinderturnen, auf dem Spielplatz, beim Schwimmkurs etc. Und fast alle Eltern - männlich wie weiblich - lassen ihrem Unmut über ihre Kinder früher oder später freien Lauf.

(Fast) All diese Eltern trinken gern mal einen, viele rauchen, einige gehen oft zusammen, andere eher getrennt aus und treffen sich mit Freunden. Natürlich verändert sich das Ausgeh-, Arbeits- und Partyverhalten. Man kann nicht mehr so spontan sein und langfristig geplante Events werden von Fieberattacken, Unfällen oder Heulkrämpfen torpediert. Und ja - in diesen Momenten bereut man die Mutterschaft. Und - ich finde, dieses Thema sollte nicht so einseitig beleuchtet werden - vielen Vätern geht es sicher ähnlich. Ich kann und will dieses Bild nicht bestätigen, dass der Mann im Prinzip nur als Erzeuger und Geldverdiener in einer Familie fungiert. In meinem Umfeld kenne ich eigentlich keine Partnerschaft, in der es so "einfach" wäre. Fast alle Frauen arbeiten, die Männer sind alle an der Kindererziehung,- betreung und -versorgung beteiligt und jeder übernimmt mal, wenn der oder die andere nicht (mehr) kann.
Meiner Meinung nach würde man dem Thema noch gerechter werden, hieße  es #regrettingparenthood. Denn letztendlich müssen heutzutage auch die Väter einer Menge Erwartungen standhalten. Geld verdienen, immer für die Kinder da sein, die Frau unterstützen, wenn sie ihre Freiräume genauso ausleben möchte wie der Mann. Und das habe ich jetzt nicht von irgendeinem Feministinnen-Blog abgeschrieben -  die meisten Männer aus meiner Bekanntschaft machen das ganz selbstverständlich so.

Doch worauf wollte ich eigentlich hinaus? Bereue ich meine Mutterschaft? Nein. Wünsche ich mir manchmal mein Leben ohne Kinder zurück? Ja. Verdammt nochmal JA! Würde ich meine Kinder abgeben, wenn ich die Möglichkeit hätte? (Hier zögere ich tatsächlich unangemessen lang, bevor ich ein enpörtes "NEIN-Natürlich nicht!" schreibe.)

Vor ein paar Jahren habe ich eventuell meine kinderlosen Freunde oder Verwandten noch mitleidig belächelt, weil sie diese großartige Erfahrung versäumen. Heute beneide ich sie vielleicht ein bißchen. Und vielleicht gehe ich jetzt gleich nochmal zu meinen Kindern, streiche ihnen über den Kopf, rieche an ihren schlafwarmen Hälsen und hole mir die Antwort bei ihnen.

Regretting Parenthood - "? oder !" ?

Samstag, 6. Dezember 2014

Ich liebe euch.

Ich liebe euch, aber manchmal treibt ihr mich zur Verzweiflung.
Ich liebe euch, aber manchmal weiß ich nicht, ob meine Kraft noch ausreicht.
Ich liebe euch, aber manchmal kann ich mir nur noch durch schreien Luft machen.
Ich liebe euch, aber manchmal male ich mir aus, wie das Leben ohne euch verlaufen wäre.
Ich liebe euch, aber manchmal bin ich froh, wenn ihr woanders seid.
Ich liebe euch, denn ihr seid manchmal die zauberhaftesten Wesen der Welt.
Ich liebe euch, denn ihr könnt euch über Dinge freuen, die für uns längst selbstverständlich sind.
Ich liebe euch, denn ihr guckt mich erst böse an und sagt dann, daß ich eure beste Freundin bin.
Ich liebe euch, denn ihr lasst mich manchmal selber wieder Kind sein.
Ich liebe euch.

Samstag, 25. Oktober 2014

Oh wie schön ist Bullerbü

Wie Sie ja sicher alle wissen, bin ich im Besitz zweier Kinder, eines Mannes und eines manchmal recht strapazierten Nervenkostüms. Um diesen vieren ab und zu mal ein wenig Erholung zu gönnen, hat es sich unsere Familie (wie Millionen andere auch) zur Gewohnheit gemacht, einmal im Jahr zu verreisen.

Früher (hach),als wir alle noch jung, ungebunden, frei, 10 Kilo leichter waren - da war die schwierigste Entscheidung bei der Urlaubszielwahl die Nähe zum Strand, Sonnengarantie, genügend Discos und Bars in der näheren Umgebung und eine möglichst günstige Unterkunft. Zu diesem Zwecke bildeten sich manchmal recht zweckmässige Reisegemeinschaften.
Sehr lebhaft in Erinnerung bleibt eine Reise an die französische Atlantikküste. Meine beste Freundin, ich und ein Arbeitskollege von mir entschieden, uns zu dritt ein 32qm-Appartement zu teilen. Da sowohl meine Freundin als auch ich zu dem Zeitpunkt ungebunden waren und dem ein oder anderen Urlaubsflirt gegenüber nicht abgeneigt, ging es stellenweise recht hoch her. Blöd nur, als sich herausstellte, dass mein Kollege in meine Freundin verliebt war. Aber nun ja - er buchte seinen früheren Rückflug und wir hatten noch eine Menge Spaß. Vor allem, als uns ein Streik der Air France eine unfreiwillige Urlaubsverlängerung inklusive 2 Nächte auf dem Campingplatz bescherte. Dort waren ein paar Freunde von uns (unter anderem übrigens der Mann - doch zu diesem Zeitpunkt nur als Kumpel).
Im Jahr darauf bezogen wir ein Häuschen auf einer griechischen Insel - 3 Mädels und der Mann - immer noch rein platonisch - dies sollte sich aber im Laufe des Urlaubs ändern. Am Ende dieses Urlaubs waren wir ein Paar.

Es folgten noch diverse Urlaube (Portugeil - naja. Nochmal Griechenland - Jassas!), doch irgendwann war die Zeit des gemeinsam-mit-Freunden-in-den-Urlaub-Fahrens dann vorbei, in unserem Falle, als das erste Kind da war. Denn seien wir mal ehrlich - Eltern, die mit einem 4 Monate alten Säugling Urlaub am Ballermann oder an der Costa Brava machen, sind doch wohl zum Glück recht spärlich gesät.

Nun habe ich es aber recht schlau angestellt und einen Mann geheiratet, dessen Eltern ein Häuschen (nun gut, sagen wir ruhig ziemlich schickes Haus) in Schweden ihr eigen nennen. Genauer gesagt in Småland (ja, liebe IKEA-Generation, DAS Småland,  aus dem der kleine Kevin von seiner Mami abgeholt werden möchte - nur eben im Ursprungsland). Und nicht genug - das Häuschen befindet sich im direkten Dunstkreis von Pippi Langstrumpf,  Michel aus Lönneberga, Bullerbü und Kalle Blomquist. Also was soll ich sagen - mein Kindheitstraum, gepaart mit einem Babysitterdienst vor Ort - wer würde da nicht schwach?

So begab es sich nun die letzten 5 Jahre, dass wir alljährlich den Dachgepäckträger aufs Auto schnallten, den Kofferraum bis unters Dach vollstopften, die Kühltasche packten und uns in der Hoffnung auf gutes Wetter, fröhliche Kinder und fitte Großeltern auf den Weg Richtung Norden machten. Jedoch - Sie ahnen es - erstens kommt es anders und zweitens auch. Oft gestaltete sich schon die Hinfahrt als nervliche Zerreissprobe, denn was man als Pärchen ohne Kinder und normalem Blasenvolumen in ca. 10 Stunden bewerkstelligen kann, erweist sich mit bewegungsfreudigen, dauerhungrigen und blasenschwachen Kleinkindern als Stop-and-go-Spiel. Jeder, der schonmal mit Kindern verreiste, kann es sich lebhaft vorstellen, denke ich mir. Alle anderen denken bitte an sich selbst vor ca. 20 bis 30 Jahren zurück (Sie sehen-ich schätze meinen durchschnittlichen Leser als relativ jung ein). "Is noch weit?" "Ist DAS schon Schweden?" " Warum müssen wir noch durch Dänemark fahren?" "Ich hab Hunger!" "Ich will spielen!" "Mir ist schlecht!" "Wo sind die Elche" oder einfach nur "Wuääääääähhhhhhhhh!".

Ich könnte Ihnen nun erzählen, dass wir - endlich angekommen - immer einen fantastischen Urlaub mit eitel Sonnenschein, liebreizenden Kindern, gutgelaunten Großeltern und einem ausgefüllten Freizeitprogramm hatten. Aber dafür schätze ich Sie, geneigte Leser, doch als zu intelligent ein, um mir das so einfach abzukaufen. Ich will nicht ungerecht sein - wir hatten wirklich schöne Tage, die Landschaft ist traumhaft, der Weinkeller des Schwiegervaters sehr gut sortiert und das Wetter war auch ab und zu mal fast sommerlich. Doch seien wir ehrlich - damit hält man nicht zwei Kinder drei Wochen lang bei guter Laune. Und die Eltern leider auch nicht.

Die ersten Tage richtet man sich noch ein wenig ein, hört sich den Wetterbericht der letzten Wochen an ("also bis gestern hatten wir jeden Tag Sonne und 20°C") und hofft jeden Morgen, dass das Rauschen draussen von den Blättern und nicht vom Regen kommt. Sobald das Barometer auch nur ansatzweise steigt, wird das Auto für einen Tagesausflug gepackt, man geht auf Elchsafari, in die Astrid-Lindgrens-Värld (fahren Sie dorthin, wenn Sie mal in Schweden sind und Kinder haben. Es ist zauberhaft!) oder einfach an den See. Nur leider halten es die Schweden mit ihrem Wetter ein wenig wie die Iren - vier Jahreszeiten an einem Dienstag sind nunmal absolut üblich im Land der Fleischbällchen und der Lösgodis (Omnomnom).

Doch oft genug musste ich mir vom Mann schon anhören, ich sei nicht geschaffen für Urlaube im Norden, nicht geländegängig, nicht wetterfest. Dies ist so natürlich nicht richtig. Ich liebe Wetter. 25°C und Sonne, ab und zu eine Schäfchenwolke, eine laue Brise - perfekt. Auch mangelnde Geländegängigkeit lasse ich mir ungern nachsagen. Das Gelände sollte halt aus feinem Sandstrand bestehen, welcher in ein türkisblaues Meer übergeht. Gerne darf sich auch ab und an ein Kellner nach meinen Befindlichkeiten erkundigen. Gegen solch ein Gelände habe ich absolut nichts einzuwenden.

Und so begibt es sich nun, nach 5 Jahren Gummistiefeln, Regenjacke, Kamin anfeuern und absoluter Stille (also - wenn die Kinder im Bett waren), dass die Familie van B unter die Pauschalurlauber geht. Ja, lachen Sie ruhig - es geht nach Mallorca. All inclusive. Bähm! Wahrscheinlich wird es grauenvoll, wir werden das Hoteldasein hassen und diese Schnapsidee verfluchen. Wahrscheinlich werden wir nächstes Jahr reumütig die Thermoskleidung einpacken und Buße tun, in der Hoffnung, dass Sverige uns vergibt.
Doch vielleicht - ganz eventuell - mit ein bißchen Glück - werden wir einfach 2 Wochen Sonne, Meer, gutes Essen, einigermaßen entspannte Kinder und ein ganz klein wenig Erholung haben.

Drücken Sie uns die Daumen! 

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Frau Rakete holt das Stöckchen - und wirft es weiter.

So, da bin ich wieder. Vielen Dank an das Frollein für die Nominierung zu diesem lustigen Blogger-Staffellauf.
Der funktioniert so: 

"Beantworte 11 Fragen, nominiere 11 weitere Blogger (Bescheid sagen nicht vergessen), stelle ihnen 11 selbst ausgedachte Fragen und reiche somit das Staffelstöckchen weiter. Wenn nicht, wirst Du Pickel am Po, 11 Jahre schlechten Sex und jeden Morgen "Brother Louie" als Ohrwurm haben. Ach, fast hätte ich die wichtigste Regel vergessen: verlinke die Person, die Dich nominiert hat."


Lesen Sie dazu bitte auch den den Post "Hol das Stöckchen" von unserem Frollein - die hat mir das hier eingebrockt. ;)

Ich mache da gerne mit und freue mich über die Gelegenheit, mal wieder in die Tasten zu hacken. Mein letzter Blogpost ist ja auch schon viel zu lange her.
Also los.

Nein, Stop: Noch ein kurzer Hinweis. Ich habe manche Fragen länger und andere kürzer beantwortet, und es wird tüchtig in die Tiefe gehen. Das ganze ist sehr persönlich. Also nicht erschrecken oder vielleicht lieber doch die Gala lesen. :) 
Ich habe mich trotzdem bemüht, das ganze -wie immer unterhaltsam- zu verpacken. 



1. Bist Du ein Hunde- oder Katzentyp?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich war früher definitiv ein Katzentyp. Bis ich 30 war, habe ich zeitweise immer wieder Katzen gehabt.

Als ich ein Kind war, war ich mal verschwunden. Meine Mama fand mich nach längerer Suche in einer großen Weidenkiste, umringt von 4 Katzenbabies. Ich hatte von innen den Deckel geschlossen und mich muxmäuschenstill zwischen die kleinen Fellknäuel gekuschelt. Wo immer Katzen waren, da war auch ich.

Einmal hatte ich eine Lieblingskatze namens Kiu. Die kam zu mir als kleines, schwarzes Puschelchen, das genau in meine Hand passte. Mit der war ich so verbunden, dass sie von Tag eins an meinem Kopf schlief und mir nachts am Ohrläppchen nuckelte. Sie lief hinter mir her wie ein Hund. Wenn ich sie streichelte, sabberte sie mich komplett voll. Immer. Kiu und ich waren eins. Selbst beim Tierarzt saß sie ohne Käfig auf meinem Schoß, obwohl das Wartezimmer voller Tiere (und auch voller Hunde) war. Als ich von meinem damaligen Freund auszog, wollte er mir die Katze nicht mitgeben. Das war ok (zähneknirschend, aber wirklich ok, weil die Katze bei ihm einen tollen Auslauf hatte und auch das Revier kannte und ich in eine Etagenwohnung zog), aber ich vermisste Kiu wie ein abgetrenntes Körperteil. Irgendwann lief sie dann weg. Ich sah sie nie wieder. Das war und ist manchmal heute noch schlimm.

Als ich mich später mal wieder entschloss, es mit einer Wohnungskatze zu versuchen, geriet ich an ein wildes Biest von einem Bauernhof, das mich bestenfalls als Dosenöffner, mehr aber als Erzfeind und des nachts als Bolzplatz betrachtete.
Der kleine Teufel schiss mir die Bude voll, hackte nachts in meine Füße und -wenn er seine 5 Minuten hatte- drehte er mit Karacho Runden durchs Schlafzimmer, die Wände hoch, über das Bett, mich, und vor allem auch über mein Gesicht.
Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, ich könnte zur Katzenhasserin werden. Wurde ich aber nicht. Ich gab sie meinem Ex (bei dem sie einen tollen Auslauf hatte), und siehe da, sie wurde ruhiger und umgänglicher, was mich sehr freute.

Ich habe in meinem Leben schon sehr sehr oft von Katzen geträumt. Ich habe mit Katzen gesprochen, als wären es Menschen (oder ich eine Katze), und ich habe sogar mal im Traum mit einer Katze Tango getanzt. Jetzt denken Sie "das ist die verrückte Katzenfrau!", und ich kann es Ihnen nicht verübeln.

Nun war ja die Eingangsfrage, ob ich eher ein Katzen- oder Hundetyp bin. Nun, ich habe weder gegen Hunde noch gegen Katzen etwas einzuwenden. Genauso wenig wie gegen Köln oder Düsseldorf, Bremen oder Hamburg.

Dass Katzen hinterhältiger als Hunde sind, glaube ich nicht. 
Ich glaube, jedes Tier hat einen Charakter, mit dem es auf die Welt kommt. 
Da Katzen aber keine Rudeltiere sind, sind sie nicht so abhängig vom Wohlwollen ihrer Besitzer und suchen sich mitunter, wenn ihnen was nicht passt, einfach ein neues Zuhause. Das kann man gut finden oder doof - ich nehme das nicht persönlich. Es ist einfach die Natur.

Genauso, wie ich Katzen mag, mag ich aber auch Hunde; im Grunde liebe ich alle Tiere. Aber auch bei Hunden differenziere ich sehr wohl.
Es gibt welche, die mag ich sofort, andere kann ich gar nicht leiden (oder die mich). Es ist schon oft vorgekommen, dass eher scheue Tiere (sowohl Hunde als auch Katzen) zu mir Vetrauen hatten und sich ordentlich durchschmusen ließen. Und die Besitzer erstaunt darüber waren.

Ich glaube, das liegt daran, dass ich ein "Tiertyp" bin. Ich liebe Tiere per sé, und ich glaube, das merken die auch.
Deswegen: Einigen wir uns auf "Tiertyp".


2. Leben mit Kind oder ohne - was ist besser (bitte keine falsche Political Correctness!)?

Oha, das ist eine schwere Frage. Ich kann das ja auch nur als die kinderlose Person beurteilen, die ich bin.
Ich glaube, dass es schön sein kann, Kinder zu haben. Ich glaube, dass mit einem Kind eine Art von bedingungsloser Liebe vorhanden ist, die einem vielleicht nicht fehlt, wenn man keines hat, die man aber auch nicht missen wollen würde, sobald man Vater oder Mutter geworden ist.

Sicher sind Kinder saumäßig anstrengend, ab dem Zeitpunkt, wo sie geboren werden. Und vorher schon.
Denken wir mal an die kotzende Herzogin Kate oder die vielen Frauen, die während der Schwangerschaft Wasser ansetzen oder denen das Gewebe reißt und nie wieder zusammenwächst. Die nach der Geburt ihre Pfunde nicht mehr loswerden oder leergesaugte Brüste haben wie plattgekloppte Schnitzel.
Die, bis das Kind nicht mehr gestillt werden muss, nicht mehr ausschlafen können und auch nichts trinken dürfen (ich weiss nicht, was schlimmer ist!).
Die, die nicht mehr ausgehen können wann sie wollen, die keinen Bock mehr auf Sex haben, oder die Alleinerziehenden, die noch nicht mal in die Verlegenheit kommen, Sex ablehnen zu müssen!
Die, die nach der Geburt Depressionen kriegen und sich fragen, wo sie ihr Kind ungestraft in Zahlung geben können.
Oder gar die, die kein gesundes Kind zur Welt bringen und neben der eh schon schwierigen Lebensaufgabe, einen tollen, selbstständigen Menschen heranzuziehen, noch damit beschäftigt sind, ihr schwerkrankes Kind zu pflegen, bis sie selbst den Löffel abgeben...Will ich mit denen tauschen?

Ich weiss es nicht.

Ich habe mal gehört, dass man als Frau in der Schwangerschaft "diese Hormone" hat, die das alles möglich machen. Die, die dafür sorgen, dass man die Geburtsschmerzen vergisst, keinen Schlaf mehr braucht und Nerven hat wie Drahtseile.
Ich glaube, dass man sowieso mit seinen Aufgaben wächst, und dank "dieser Hormone" sogar ganz glücklich werden kann mit der neuen Lebenslage.

Ich denke, man kann durchaus glücklich sein mit der Entscheidung, ein Kind zu kriegen. Dass man damit etwas sinnvolles schafft/geschaffen hat (einem Menschen die Möglichkeit zu geben, sich frei zu entfalten und Freude am Leben zu haben), und dass man später im Alter nicht alleine sein wird. Dass man im Kreise seiner Lieben (wenn die einen dann noch mögen) einen schönen, erfüllten Lebensabend haben wird.

Für mich hat sich die Frage nur einmal gestellt.

Ich war schwanger und habe mich dagegen entschieden.
Meine Lebensumstände zu diesem Zeitpunkt waren mehr als ungünstig. Zukunftsängste, Studium nicht beendet, sehr unglücklich in meiner Heimatstadt Bremen, oft krank, viel geweint und irgendwann endlich mal eine Entscheidung getroffen.
Die Entscheidung, etwas zu ändern und mein Leben in die Hand zu nehmen.

Ich hatte einen Praktikumsplatz in Köln ergattert. 300 €pro Monat, genau 50€ weniger, als mein WG-Zimmer kosten würde. Aber ich wollte das, es war eine Chance, mein Leben (ich hoffte positiv) zu verändern. Dann, kurz vor dem Umzug Sex mit dem Ex (hier bitte alle Vorwürfe, erhobenen Zeigefinger und Verwünschungen einfügen) und -zack- schwanger.

Ich muss sagen: Ich fühlte mich eigentlich wohl, sah super aus, strahlte von innen und hatte das 2. Mal im Leben das Gefühl, komplett zu sein. Rund. Harmonisch. Eigentlich machten mir die Menschen in meiner Umgebung schon Komplimente, bevor ich überhaupt wusste, dass ich schwanger bin. Das war irgendwie schön. Ich fühlte mich wie auf Wolken, heilig, unantastbar. Fasste immer an meinen Bauch.
Aber ich war gleichzeitig entsetzt (ja, sowas geht). Wieder glücklich. Wieder entsetzt. Hin und her gerissen. Und immer müde (ich konnte im Stehen einschlafen).

Und dann wurden die Zweifel immer lauter.
Wie sollte ich das machen, so ganz allein, in einer fremden Stadt? Ohne abgeschlossenes Studium? Schwanger ins Praktikum, und danach zum Sozialamt? In Bremen und damit unglücklich bleiben, depressiv werden und das Kind später dafür verantwortlich machen? Es verfluchen, schlagen, mit dem Saufen anfangen?

Das war ein sehr, sehr großes Dilemma, in dem ich da steckte.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich zur Beratungsstelle ging, um über einen Abbruch zu sprechen. Die Beraterin war sehr einfühlsam, aber auch sehr realistisch.
"So ein Baby ist nicht nur Freude. In erster Linie braucht es all Ihre Energie. Es wird Sie aussaugen. Es ist selten so romantisch, wie man sich das im Allgemeinen vorstellt, vor allem ohne Partner. Sie sollten sich das gut überlegen."
(Zu meinem Ex nur soviel: Er hatte schon ein Kind von einer anderen Ex und wollte kein zweites. Ich konnte das verstehen. Ich hatte zwar noch kein Kind, aber hätte mich idealerweise über eine Unterstützung für mich und über einen motivierten Vater für das Kind gefreut. Weder das eine noch das andere war zu erwarten).

Später saß ich beim Frauenarzt, der absurderweise erst einmal prüfen musste, ob der Fötus überhaupt 'in Ordnung' war. Als er sagte: "Oh, sehen Sie mal, das Herz schlägt!", und ich erschrocken auf den Monitor und dieses kleine runde etwas mit dem pochenden Herzchen blickte, brach ich in Tränen aus. Danach saß ich heulend und zusammengesunken auf dem Fußboden, der Arzt auf mich einredend...
"Sie können das schaffen, ich habe das auch geschafft, obwohl es nicht einfach war!!"
"Sie hatten ja auch eine Partnerin dazu! Sie haben ja auch nicht mein verkorkstes Leben und Sie sind nicht depressiv, weil Ihr Leben eine Pizza Stagnazione ist! Ich weiss ja noch nicht mal, wohin mit mir- wie soll ich da wissen, wohin mit einem Baby? Wenn ich hierbleibe, nur weil meine Eltern hier wohnen, die mich eventuell irgendwie unterstützen könnten, werde ich für immer unglücklich sein. Ich befürchte, dass ich das auf das Kind projizieren könnte. Und das will ich nicht. Ich kann das nicht. Ich schaffe das nicht".

Und was man nicht glaubt, schaffen zu können, das schafft man auch nicht.

Ich wusste, dass ich mich trennen musste, und -im übertragenen Sinne- riss ich das Kind aus mir heraus wie man ein kleines Pflänzchen aus der Erde rupft, mit einem Ruck. Und das tat weh. Wahrscheinlich mehr, als die Geburt weh getan hätte. Geburtsschmerzen (habe ich mir von Müttern sagen lassen) vergisst man ja irgendwann. Aber Schmerzen, die so ein Schwangerschaftsabbruch macht, vergisst man nie.
"Eine gerechte Strafe", werden manche vielleicht sagen. Ja, kann sein. Vielleicht war es aber auch die richtige Entscheidung.

Ich hatte danach nur einen Wunsch: Wenn ich noch mal schwanger werden sollte, dann bitte mit einem Partner, der sich genau wie ich auf das Kind freuen würde. Einen solchen Partner habe ich bisher nicht gefunden. Und deswegen wollte ich auch nicht wieder schwanger werden.

Das heißt nicht, dass ich das nicht noch werden könnte (ganz vielleicht). Es ist schon sehr spät, ich bin 40, und ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass das wahrscheinlich nichts mehr wird. Jedenfalls nicht um jeden Preis. Ich bin aber auch nicht (mehr) depressiv deswegen.
Klar tut das manchmal noch weh.
(Heute wäre das Kind 10 Jahre alt. Ich weiß, dass es ein Junge geworden wäre, denn ich hatte knapp ein Jahr nach dem Abbruch einen Traum, indem ein kleiner Junge mit schwarzen glatten Haaren und offenen Armen auf mich zugerannt kam. Dieser Junge sah aus wie mein Exfreund. Kein Beweis, aber ein sehr sicheres Gefühl. Da dieses Kind glücklich war, habe ich mir zurechtgelegt, dass es ihm, wo auch immer er ist, gut geht. Und das ist gut so).

Ich hörte in meinem Leben schon oft "Du kannst so gut mit Kindern umgehen. Hast Du Kinder? Du wärst sicher eine tolle Mutter". Ja, vielleicht wäre ich das, und vielleicht wäre ich heute eine bessere Mutter als ich damals gewesen wäre.
Wer weiß schon, ob das richtig war. Sehr oft denke ich aber: Ja, das war genau richtig so. Sonst wäre ich heute nicht da, wo ich bin, inklusive neuer Heimat, zwei Jahre Gespräche mit dem Klempner, nem wirklich tollen Job und vielen lieben Menschen um mich herum.

Mein Leben ist gut so, wie es ist. 

Und wenn doch noch ein Kind in mein Leben kommt, dann wird auch das gut sein. Da bin ich sicher. Ja, scheiß drauf, dann bin ich halt 60, wenn der kleine Hosenscheisser seine Abifeier hat.

Um die Frage also abschließend zu beantworten: Es hat beides seinen Reiz.


3. Wenn du eine Krankheit heilen könntest - welche wäre das?

Ich würde gerne Depressionen heilen. Da Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden, schwächen Depressionen mit Sicherheit das Immunsystem.
Ich glaube, sie können der Nährboden sein für Krankheiten, Viren & Bakterien (Geburtsfehler und Erbkrankheiten ausgenommen).

Ich erhebe da natürlich keinen Anspruch auf Richtigkeit (bitte keine Grundsatzdiskussionen!), aber -mein höchst persönlicher Glaubenssatz ganz allgemein in den Raum gehustet- wer glücklich ist, der hat auch mehr Energie und bessere Widerstandskräfte. Und der erholt sich auch schneller.

Warum Menschen sterben müssen, die glücklich sind oder gestorben sind, die glücklich waren, das vermag ich nicht zu sagen. Das Leben ist halt manchmal einfach beschissen ungerecht.

Aber dennoch: Ich würde gerne Depressionen heilen können. Punkt.


4. Es brennt. Was rettest Du aus Deiner Wohnung (abgesehen von Dir und anderen lebenden Haus- Wohnungsbewohnern)

Vermutlich nur ein Foto von meiner Großmutter, das bei mir an der Küchenwand hängt, und das es nicht in digitaler Form gibt. Auf alles andere könnte ich verzichten.

Ich würde zwar kurzfristig geschockt sein und mich ganz nackt fühlen (wenn ich nicht sogar eh gerade unter der Dusche stand, als das Feuer ausbrach), aber aus meiner Vergangenheit habe ich gelernt: Wer nix hat, kann auch nix verlieren. Und das ist ein sehr schönes und sehr leichtes Gefühl.


5. Auf welche Sache könntest Du in Deinem Leben am wenigsten verzichten?

Auf meine Wärmflasche. Aber sowas kann man ja auch an jeder Straßenecke kaufen.


6. Du hast ein Jahr bezahlten Urlaub - was machst Du?

Ich reise um die Welt, zumindest versuche ich es. Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann zu sterben und nicht versucht zu haben, die Welt zu sehen. Dafür ist sie zu schön.

(Ich fliege im November nach Island. Da wäre ich nie freiwillig hingeflogen, aber es gab eine gute Gelegenheit, und ich habe sie am Schopfe gepackt. Wenn ich daran denke, die Polarlichter zu sehen, leibhaftig, mit meinen eigenen Augen, dann könnte ich jetzt schon zu flennen anfangen, so schön finde ich das. Die sieben Weltwunder, die Meere, die Farben, die Gerüche - das muss ich alles sehen, schmecken, riechen, hören und fühlen, bevor der Sensenmann vor der Tür steht.)


7. Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem Du Sex hattest?

Ein Hinterhof in Hamburg-Winterhude. War schön gewesen.


8. An welches Jahr erinnerst Du Dich besonders intensiv?

1992. Das Jahr, in dem ich Abi gemacht habe und von zu Hause ausgezogen bin. In dem ich viel gearbeitet und viel Geld verdient habe, viel ausgegangen bin, das erste Mal einen Dienstwagen hatte und so richtig Autofahren (heizen) lernte. Das war das Jahr, als ich das maximale Freiheitsgefühl hatte, und als ich dachte, das Leben sei eine fabelhafte Wundertüte.

Isses ja auch heute noch.

Manchmal.


9. Warum twitterst Du?

Weil es der direkte Weg ist, einen Gedanken in x (hier Anzahl der Follower eintragen) Gehirne einzupflanzen. Oder einen Lacher. Weil es schnell Resonanz gibt.

Twitter ist sowas wie ein See: Du schmeißt einen Stein rein, und er erzeugt ein paar kleine Kreise. Manchmal auch ne richtige Welle. Und ganz Selten nen Tsunami (Shitstorm). Ist mir aber zum Glück noch nicht passiert. Toi Toi Toi.


10. Welche Eigenschaft stört Dich an anderen Menschen am Meisten?

Unehrlichkeit.
Ich hasse Lügner. Lügen bedeutet, sich der Verantwortung zu entziehen. Ich finde, wenn man so richtig Scheiße gebaut hat, sollte man auch dazu stehen.

Lügen, um besser dazustehen, finde ich auch ganz, ganz übel. Sich mit Fremden Federn schmücken zum Beispiel.
Im Weitesten Sinne gehören Schönheits-OPs in diese Kategorie. Eine korrigierte Nase und eine aufgespritzte Lippe: Das ist eine (offensichtliche) Lüge, für die es oftmals trotzdem Applaus gibt.
Ja, jetzt könnte man sagen: Bist ja nur neidisch, kannst ja selber auch lügen.
Ja, stimmt. Vielleicht bin ich neidisch, vielleicht könnte ich selber auch lügen. Mache ich aber nicht. Ich will nämlich im Laufe meines Lebens dazu kommen, dass ich zu mir selber stehen kann, und zwar mit allen Ecken, Dellen und Kanten, die ich habe. Mit allen Fehlern und mit allem Scheiß, den ich fabriziert habe.
Ich will das alles überwinden, das Nicht-Perfekte akzeptieren und glücklich und zerdellt meinen Rucksack für die letzte Reise packen.


11. Du hast noch einen Tag zu Leben - was tust Du?

Ich rufe alle an und sage ihnen, wie lieb ich sie habe.
Dann räume ich meine Wohnung aus und verschenke alles. Ich verteile free Hugs auf der Straße und frage einen sehr hübschen Mann, ob er mich knutschen möchte. Und wenn es am schönsten ist, mach ich die Biege. Mit einem schönen Gefühl im Bauch.



Aber vielleicht probier ich das mit dem hübschen Mann ja schon vorher.
Und vielleicht überleb ich das ja sogar.
Und vielleicht geh ich mit dem dann auf Weltreise.
Und vielleicht kommen wir mit drei Katzen, vier Hunden und einem Baby zurück.



Aber vorher stelle ich noch 11 Fragen. 

1. Barfuß oder Lackschuh?
2. Was war das Peinlichste, was Du je getan hast?
3. Was ist Dein absoluter Traum (egal, ob umsetzbar oder nicht)?
4. Wenn Du sehr sehr viel Geld finden würdest (so ca. 500.000 €) und wüsstest, dass Dich keiner dabei beobachtet hat, würdest Du es behalten, und wenn ja, was würdest Du damit machen?
5. Würdest Du ins Dschungelcamp gehen?
6. Da steht ein Flieger für Dich. Wohin geht die Reise?
7. Wenn Du mit jemandem in die Kiste springen dürftest (freie Auswahl, für diese Frage bist Du Single!), wer wäre das (hier eine bekannte Persönlichkeit o.ä. einfügen)?
8. Wenn Du ein Mann bist: Was ist das faszinierende an Baustellen? Wenn Du eine Frau bist: Was ist das faszinierende an Schuhen?
9. Ganz ehrlich: Wenn es gesellschaftlich nicht so verpönt wäre, würdest Du Dich mit Wonne aushalten lassen?
10. Für 500.000 € - lieber eine (sehr große, lebende) Spinne essen oder lieber mit Deinem übelsten Erzfeind vögeln?
11. Wolle Rose kaufe?

Ich nominiere


Mehr fallen mir nicht ein. So auf die Schnelle. Ich sollte vielleicht mehr Blogs lesen.

In diesem Sinne,
Ihre Erna Rakete.