Mittwoch, 11. Januar 2017

Was verraten die Falten in deinem Gesicht über dich? 365 Fragen #10

Ich bin noch gar nicht sooo alt - na gut vielleicht habe ich die Hälfte meines Lebens schon geschafft, vielleicht auch erst ein Drittel, aber Falten habe ich schon reichlich. Die kleinen Falten, die sich wie Sonnenstrahlen um die Augen legen. Davon habe ich ganz viele. Das kommt vom Lachen. Die Falten in meinem Gesicht verraten also, dass ich viel lache. Und das ist ganz wunderbar, denn ich lache ausgesprochen gern. Manchmal laut prustend, wenn mein großer Sohn etwas Lustiges sagt, manchmal leise in mich hinein. Manchmal so lange, bis mir die Tränen in die Augen schießen, weil der Kleine das erste mal lauthals gegluckst hat, manchmal nur ein leises gerührtes Lächeln, wenn ich meine drei Männer zusammen sehe. Und wenn ich meine beiden Jungs ansehe, dann haben sie dieselben Falten. Obwohl sie noch gar nicht so alt sind. Aber die lachen auch viel. Und ihre Falten verraten mir, dass sie glücklich sind, weil sie eine Familie haben, in der gerne und viel gelacht wird.
Natürlich gibt es neben den Lachfalten auch ein paar Sorgenfalten in meinem Gesicht. Nicht viele und sie sind auch nicht besonders tief, denn ich halte gar nichts davon, sich zu viele Sorgen zu machen. Das Leben passiert einfach - egal, ob man sich Sorgen macht oder nicht. Und vielleicht habe ich Glück und kann die Sorgenfalten durch Lachfalten ersetzen. Die sind eh viel hübscher.
Und was verraten eure Falten?

Montag, 9. Januar 2017

365 Fragen #9

Als das alte Jahr zu Ende ging, habe ich mir einen neuen Kalender gekauft. Und weil er letztes Jahr so schön war und ich das Magazin liebe, habe ich mir den Kalender von FLOW gekauft - ohne zu wissen, dass er mir jeden Tag eine Frage stellen würde. Nun sind die ersten 9 Tage des Jahres bereits vergangen und auf einen Teil der Fragen hatte ich sofort eine Antwort, auf andere keine und die heutige Frage hat mich schon den ganzen Tag ins Grübeln gebracht.
Ist es dir wichtig, was andere über dich denken?
Als emanzipierter, gebildeter, individueller Mensch ist man da sofort versucht, lauthals NEIN zu schreiben. Ich auch. Aber wenn man nur mal ein paar Minuten drüber nachdenkt, ist das natürlich totaler Blödsinn. Was wäre ich denn für ein Mensch, wenn es mir völlig egal wäre, was andere von mir denken? ABER natürlich muss ich differenzieren. Es ist mir zum Beispiel total wurst, was mir unbekannte Menschen über mich denken. Meistens ist mir auch egal, was Nachbarn oder andere mir flüchtig bekannte Personen des täglichen Lebens von mir denken. Aber mir ist es zum Beispiel überhaupt nicht egal, was mein Mann, meine Eltern, meine Kinder oder überhaupt meine ganze Familie und meine Freunde von mir denken.
Ich mache natürlich trotzdem letztendlich, was ich für richtig halte, und fast nie tue ich etwas, nur damit andere gut (woran auch immer man das festmacht) von mir denken. Aber wenn mein Mann oder meine Kinder mir zu verstehen geben, dass sie bestimmte Verhaltensweisen an mir nicht gut finden, sich darüber ärgern oder ich sie sogar damit verletze, dann denke ich sehr genau darüber nach, ob das vielleicht auch anders geht. Und zwar nicht, weil ich nicht möchte, dass sie schlecht von mir denken, sondern weil ich so sein möchte, dass sie gar keinen Anlass haben, schlecht von mir zu denken. Weil sie mir wichtig sind, weil ich sie liebe und weil ich will, dass sie glücklich sind.

Und vielleicht sollten viel mehr Menschen aufhören, sich Gedanken zu machen, was "die Leute" von ihnen denken könnten, und viel mehr Menschen, sich wirklich zu Herzen nehmen, was die wichtigen Personen in ihrem Leben von ihnen halten.

Und wie ist das bei euch? Ist es euch wichtig, was andere über euch denken?

Freitag, 27. November 2015

Von unpolitischen Menschen

Ich bin im Grunde meines Herzens ein sehr unpolitischer Mensch. Ja, ich gehe brav wählen, sogar zur Europa-Wahl. Und ich beteilige mich auch gelegentlich an Volksabstimmungen. Ich mache mein Kreuzchen und weiß doch – es wird sich nichts ändern. Die Politik der „großen“ Parteien ist nahezu identisch nur mit einem anderen Etikett drauf. Klar kann man „Die Partei“ wählen oder die APPD (Alternative Pogo Partei Deutschlands), man kann sich aber auch genauso gut einen Knopf an die Backe nähen und so lange drehen, bis man den RIAS empfängt (die Älteren von Ihnen werden sich erinnern).

Aber im Grunde fühlt man sich als Bürger doch machtlos. Manchmal wählt man sogar eine Partei, weil einem der Spitzenkandidat sympathisch ist und dann tritt der kurz nach der Wahl zurück.

Es war ja auch lange Zeit populär, unpolitisch zu sein. Es war ja auch alles gut. Entweder regiert die SPD oder die CDU mit irgendwem zusammen und alles läuft mehr oder weniger gut weiter wie bisher. Na klar gibt es Gemauschel und so weiter aber so ist das eben „da oben“.

Ich war einige Zeit im Betriebsrat eines relativ großen Konzerns (nein, nicht VW!). Ich habe an den Sitzungen an meinem Standort teilgenommen und an diversen Gesamtbetriebsratssitzungen in der Zentrale. Und was soll ich sagen? Alle versuchten natürlich, das Beste für ihr jeweiliges Arbeitsgebiet herauszuholen. Natürlich tat man immer so, dass man das Beste für alle Mitarbeiter, die man vertrat, wollte. Aber hey – erstmal die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen. Ich selbst war auch nicht besser. Ich war gerade schwanger und natürlich setzte ich mich dafür ein, dass Sonderzahlungen auch an Personen in Elternzeit weiter in voller Höhe gezahlt werden. Hallo?! Klar macht man das, wenn man die Gelegenheit hat.

Ich habe das alles nur im ganz kleinen Rahmen kennengelernt, bin mir aber hundertprozentig sicher – so läuft es überall ab. Jeder versucht, das möglichst Beste für seinen Bereich herauszuholen.

Warum erzähle ich das alles?

Ich habe mich lange davor gescheut, politisch Position zu beziehen. Ich habe keinen Bock auf Diskussionen mit Idioten, egal welcher Couleur (schreibt man das so? Googlen Sie selbst!). Ich sehe es Tag für Tag auf Twitter, wie Leute versuchen, in 140 Zeichen ihre Meinung durchzudrücken. Und da habe ich keine Lust drauf. Es ist unmöglich und es ist sinnlos. Es hat sich noch nie (und da lege ich mich fest) jemand durch eine Twitter-Diskussion eines Besseren belehren lassen. Egal, ob es um Rechtschreibung, Star Wars, Käsekuchen, Impfen oder Politik geht. Und das ist in allen sozialen Netzwerken so, können Sie mir nix erzählen.

Dennoch möchte ich hiermit einmal klarstellen, welche Position ich beziehe. Verwickeln Sie mich bitte nicht in Diskussionen, ich werde nicht darauf eingehen.

Ich finde es richtig, Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Ich finde es richtig, sie zu integrieren. Ich finde es falsch, sie in riesengroßen Massenunterkünften unterzubringen. Ich finde es furchtbar, sie im Kalten irgendwo draußen warten zu lassen. Ich finde es unentschuldbar, wie durch manche Medien Panik und Angst verbreitet wird. Ja – auch ich habe Angst. Ich habe Angst, dass in diesem Land etwas ähnliches passiert wie vor ca. 100 Jahren. Dass Menschen gebrandmarkt werden. Vielleicht habe ich sogar ein bisschen Angst vor einem Terroranschlag, aber nicht so sehr, weil er mich betreffen könnte, sondern vor den Folgen. Den Folgen für unsere Freiheit. Für unsere Meinungsfreiheit. Unsere Bewegungsfreiheit.

Wie ich schon sagte ich bin ein unpolitischer Mensch. Ich maße mir nicht an, alle globalen Zusammenhänge zu kennen oder zu erkennen. Ich bekommen meine Informationsbröckchen über die gängigen Tageszeitungen und setze sie zu einem unvollständigen Bild zusammen. Viel mehr kann ich nicht tun. Aber wenn ich sehe, was ein Herr Trump in den USA von sich gibt. Oder ein Herr Lucke in Dresden / Erfurt / wasweissich. Oder ein Herr Seehofer in Bayern. Dann möchte ich bitte einen großen Eimer gereicht bekommen und kotzen.

Nein – ich habe auch keine Lösung parat. Ich bin kein Zauberer, sondern einfach nur ein fühlender, denkender Mensch. Und ich möchte einmal klipp und klar meine Position darlegen. Ich verabscheue rechtes Gedankengut. Ich unterstelle jedem Menschen per se erstmal nur die besten Absichten. Ich bin aber nicht naiv und weiß, dass es genügend schlechte Menschen auf der Welt gibt. Aber ich möchte nicht glauben und ich möchte es mir auch nicht vorstellen, dass diese Menschen die Oberhand gewinnen. Ich glaube an das Gute im Menschen (wer was anders behauptet, kriegt ein paar aufs Maul!).

So – machen Sie aus diesem Text, was Sie wollen. Aber bitte versuchen Sie nicht, mir irgendwelches krude Gedankengut unterzuschieben.


Danke.

Donnerstag, 3. September 2015

Ein Bild

Ein Bild von einem toten Kind. Klein, unschuldig, niedlich. Aber - tot.

Das kann man finden, wie man will. Aufklärerisch. Reißerisch. Schockierend. Grausam.

Ich habe leider im großen weiten Netz schon zu vieles gesehen, was ich nicht sehen wollte. Geköpfte Frauen, gekreuzigte Jungs, auch schon andere tote Kinder.

Ich habe Berichte (ob fiktiv oder nicht) über Fluchten gelesen, bei denen Kinder über Bord geworfen wurden, weil sie zu laut waren.

Das alles kumuliert sich und plötzlich kommt dann noch so ein Bild dazu von einem Kind im Alter meines Kindes. Und ich frage mich - was hat es gefühlt?
Was fühlen alle diese kleinen Kinder auf der Flucht. Unsere Kinder haben sich mit einem Umzug ein paar Strassen weiter schwer getan. Und diese Kinder müssen in ein fremdes Land, in völliger Ungewissheit, wo sie letztendlich ankommen.

Man muss kein Pädagoge sein, um sich in diese kleinen Wesen hineinzuversetzen. Wir alle waren einmal Kinder. Kinder mit Ängsten. Kinder, die nachts zu ihren Eltern ins Bett gekrochen sind. Kinder, die Verlustängste hatten. Kinder, für die ihre Eltern die großen Helden waren, die alles wussten und mit denen an der Seite einem nichts passieren kann. Und dann ist Mama plötzlich weg, Papa ist nicht zu sehen und das kleine Kind ist alleine im großen Meer.

Ich war jüngst in Schweden. In Schweden gibt es bekanntlich viele Seen. Wir mieteten uns ein Boot, die Kinder und auch wir hatten natürlich Rettungswesten an. Trotzdem hielt ich das kleine Kind, das - auch wenn es glaubt, wenn es eine Badehose anhat, wäre es quasi ein Fisch - kein bisschen schwimmen kann, die ganze Zeit fest an mich geklammert. Und dachte an all die Mütter, denen es nicht gelungen ist, ihr Kind festzuhalten.

Ich habe nicht jetzt erst angefangen nachzudenken. Doch jetzt ist zu den Bildern in meinem Kopf noch ein reales Bild hinzugekommen. Ich hätte darauf verzichten können, doch geändert hätte sich dadurch nichts. Zuviele Kinder, Frauen und Männer sterben einen völlig sinnlosen Tod im Mittelmeer.

Bitte hört auf, euch wegen der Veröffentlichung eines Bildes zu zerfleischen. Man kann auch Zahnpasta nicht in die Tube zurück drücken.

Helft. Helft, so gut ihr es könnt. Und wenn ihr nur ein paar Euro an eine Hilfsorganisation spendet. Oder einen Schlafsack bei einer Sammelstelle abgebt.

Ein Bild von einem toten Kind. Vielleicht ist es ja doch zu etwas gut. Ich hoffe es aus ganzem Herzen.

Donnerstag, 16. April 2015

Regretting motherhood? Never!


Edith Piaf war eine sehr kluge Frau. Kluge Frauen sagen kluge Dinge.

„Non, je ne regrette rien!“ – Nein, ich bereue nichts!
 

Das gilt auch für mich. Eigentlich immer, ganz besonders aber auf das Thema Muttersein bezogen. Der Hashtag #regrettingmotherhood, der seit einigen Tagen durchs Netz wandert, musste bei mir erst einmal sacken. Ich las ein paar Tweets dazu und auch den wunderbaren Post meiner Bloggerkollegin, den ihr hier findet. Und ich machte mir ein paar Tage Gedanken, ob ich in den vier Jahren meines Mutterseins schon einmal bereut habe, ein Kind bekommen zu haben. Und ich kann mich ganz ehrlich an keinen einzigen Moment erinnern!

Natürlich gab es schlaflose Nächte, blutig gekaute Nippel, vollgekotzte Betten, brüllendes Kleinkind auf Fußweg, vollgeschmierte Wände und vieles mehr. Genauso natürlich hab auch ich mal die Nerven verloren, mich nach einer Mütze voll Schlaf gesehnt oder mir jemanden gewünscht, der das Kind mal ein paar Stunden mitnimmt.

Dann habe ich Nippelcreme aufgetragen und die Zähne zusammengebissen, mitten in der Nacht Wäsche gewaschen und dem armen Würmlein, das kotzend über dem Klo hing, den Rücken gekrault und Tee gekocht. Ich hab mich neben mein Kleinkind auf die Straße gesetzt und gewartet bis der Anfall vorüber war. Um das Geschmiere an der Wand habe ich einen Rahmen gemalt und es zur Kunst deklariert, und manchmal habe ich das Kind einfach mal jemandem ein paar Stunden mitgegeben. Aber niemals habe ich mir gedacht „Hätte ich doch bloß nicht dieses Kind bekommen, wie schön wäre mein Leben dann!“

Nun habe ich vielleicht Glück gehabt, weil mein Kind ein recht unproblematisches Kind ist, das meistens macht, was ich ihm sage, mich abgöttisch liebt, kaum Wutanfälle kriegt und ein überaus lustiger Zeitgenosse ist. Aber ganz so einfach ist die Rechnung dann doch nicht. Wie die meisten hier wissen, bin ich (zumindest bisher) alleinerziehend. Und arbeite Vollzeit. Das heißt, es gibt eigentlich niemanden, der mir im Alltag unter die Arme greift, mal mit anpackt, das Kind mal zur Kita bringt oder abholt oder es abends ins Bett bringt und wartet bis es eingeschlafen ist. Es gibt auch niemanden, der vermittelnd interveniert, wenn wir uns doch mal streiten. Mein Leben besteht also wirklich ziemlich ausschließlich aus Arbeiten, Schlafen und ums-Kind-Kümmern. Jeden Tag. Da bleibt nicht viel Zeit für mich, meine Hobbys oder Freunde. Und das unterscheidet sich ziemlich von dem Leben, das ich noch vor vier Jahren geführt habe. Aber ehrlich gesagt mag ich mein Leben jetzt trotzdem viel mehr. Warum? Weil das Kind in meinem Leben ist.

Nun bin ich auch wirklich mit Leib und Seele Mutter. Ich liebe Kinder. Alle Kinder. Ich liebe es, die ganz kleinen im Arm zu halten und sie zu schuckeln, wenn sie weinen. Ich liebe es, den mittelgroßen beim Entdecken der Welt zuzusehen und mit ihnen absurde Gespräche zu führen. Und ich liebe auch die Großen, mit ihren ernstzunehmenden Gedanken und Sorgen. Ich kann mich gut in Kinder hineinversetzen und ich habe Verständnis dafür, warum manche Dinge einfach so sein müssen, wie sie es sich vorstellen.

Ich gehöre sogar zu den unmöglichen Eltern, die nicht glauben, dass sie irgendwas in der Erziehung ihrer Kinder falsch gemacht haben. Auch wenn meine Eltern, meine kinderlose Schwester oder wildfremde Leute manchmal meinen, ich sei zu nachgiebig. Ich hör da primär auf mein Bauchgefühl, weil ich nämlich mein Kind und mich ziemlich gut kenne, und weiß, was uns guttut. Und für alle, die Kinder haben wollen, oder gerade dabei sind, welche zu bekommen, und sich einen Kopf machen, wie das alles gehen soll, habe ich eigentlich nur drei Ratschläge:
 

1.      Alles ist nur eine Phase. Und geht vorüber.

2.      Pick your fights wisely!

3.      Nimm deine Kinder ernst.
 

Nummer 1 ist eigentlich ganz einfach. Egal wie viele schlaflose, durchweinte Nächte aufeinanderfolgen, die gehen vorbei! Egal, wie lange das Kind jede Nacht angedackelt kommt, oder gleich im Bett schlafen will, das geht vorbei! Egal wie trotzig oder missmutig das Kind mal ist, das geht vorbei. Egal, wie lange das Kind vielleicht noch einen Schnuller oder eine Windel oder sonstwas braucht – auch das geht vorbei. Da muss man sich gar nicht so einen Stress machen. Immer mal wieder versuchen, dranbleiben, auch mal aussitzen, aber nicht verrückt machen lassen.

Zweitens ist eigentlich genauso einfach. Natürlich brauchen Kinder Regeln und Grenzen. Da sind sie wie kleine Hunde. Aber man muss wirklich nicht jeden Scheiß ausdiskutieren, oder alles verbieten, oder zu strikte Regeln haben. Sachen, die wichtig sind, müssen ausgefochten werden. Aber den 2. Schokoriegel oder das lila T-Shirt zur grünen Hose oder andere Kleinigkeiten, sind eigentlich piepegal und da kann man auch mal alle fünfe grade sein lassen. Und wenn man es irgendwann nicht mehr schafft, jede Nacht viermal aufzustehen und ein brüllendes Kind im Nachbarzimmer zu beruhigen und wieder einzuschläfern, dann ist es völlig ok, wenn es im gleichen Zimmer, oder gleichen Bett schläft. Wichtig ist, dass alles ihren Schlaf kriegen, um auch die Herausforderungen des nächsten Tages meistern zu können.

Und das wohl wichtigste ist das Ernstnehmen der kleinen Nervbacken. Das sind nämlich weder kleine Idioten, die nichts wissen und nichts können, noch kleine Erwachsene, die alles können und verstehen müssen. Das sind Kinder. Und die brauchen Erwachsene, die sie lieben und die froh sind, dass sie da sind. Sie brauchen Eltern, die Ihnen zeigen können, wie schön es ist zu leben und wie wichtig es ist füreinander da zu sein. In guten wie in schlechten Zeiten.

Und genau deshalb bereue ich keine einzige Minute lang, dass ich Mutter geworden bin. Ganz im Gegenteil, ich hätte gern noch ein Kind. Das ist dann nämlich noch lustiger und schöner.

Mittwoch, 8. April 2015

Regretting Motherhood?

Da ich über Ostern nicht  wirklich zum twittern und lesen im Internet gekommen bin, habe ich heute erst den Hashtag #regrettingmotherhood mitbekommen. Ich habe ein paar Tweets gelesen und mich durch diverse Blogbeiträge geklickt. Und ich habe viele Gedanken gefunden, die so oder so ähnlich  auch durchaus von mir hätten stammen können.

Ich habe ja vor einiger Zeit schonmal über meine postpartalen Depressionen geschrieben: Wunschkind http://frauschreiberling.blogspot.com/2013/12/wunschkind.html. Aber das hat ja im Grunde nichts mit dem Bereuen der Mutterschaft zu tun, da es sich dabei ja tatsächlich um eine "Krankheit" handelt, die relativ gut behandelbar ist, so man sich denn Hilfe sucht.

Bei dem Thema "Bereuen der Mutterschaft " geht es ja eher um eine Grundeinstellung, eine Ernüchterung, eine Überforderung durch die gesellschaftlichen Konventionen. Es geht nicht darum, dass man die Frucht seiner Lenden an machen Tagen ungespitzt in den Boden rammen möchte, weil die lieben Kleinen gerade mit dem sauteuren Eyeliner von Lancome die Laura Ashley-Tapete verschönert haben. Oder weil man um 16.30h zum Ballettkurs muss, das Kind aber lieber den "Ich will nicht  und ich schmeiss mich jetzt hier auf den Boden"-Tanz vollführt.

Es geht darum, dass das gesamte Leben mit Kind(ern) nie wieder so sein wird wie vorher. Dass jemand, der bis zur Befruchtung ein freies, erfolgreiches, unkonventionelles Leben geführt hat, sich plötzlich wiederfindet in einem verdammten Alptraum aus Schlaf-, Hilf- und Ahnungslosigkeit. Mittlerweile glaube ich keiner Mutter mehr, die behauptet, mit ihrem Baby/Kleinkind gäbe es eigentlich nie Probleme, ab und zu quengelt es mal ein bisschen, ganz normal, aber mit Liebe und Konsequenz kriegt man das alles hin. MY ASS!!! Wer noch nie heulend neben seinem rumbrüllenden zweijährigen gehockt und sich gewünscht  hat, die Uhr ein paar Jahre zurückzudrehen, werfe die erste volle Windel. Wer noch nie einen Tobsuchtsanfall eines sechsjährigen Kindes erlebt hat, weil der Fernseher ausgemacht wurde und sich daraufhin schwor "die Scheisskiste eben aus dem Fenster zu werfen", reiche mir die Fernbedienung.

Kinder bringen einen an seine Grenzen. Körperlich und geistig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Oder wie oft schleppen Sie ein brüllendes Kind, 2 schwere Einkaufstüten, den Rucksack des großen Kindes und eine Handtasche mit der allernötigsten Grundausstattung  (Pflaster, Kaugummis, Schokobons, Wasser, Zaubersalbe, Brezeln, Papier und Stifte, 10 Pixiebücher und ein Notkuscheltier) in den 4. Stock eines Berliner Altbaus? Und wie gut verkraften Sie das, nach einem 8stündigen Arbeitstag, an dem der Chef "umgehend die Zahlen für das 1. Quartal haben wollte und sind die Schreiben an die XY AG schon rausgegangen warum haben Sie die Mail an Dr. Kleinert noch nicht versandt und was ist eigentlich aus der Anbahnung des 2 Millionen -Geschäfts geworden?"
Und dann haben Sie vielleicht noch vergessen, den Kindern eine Süßigkeit mitzubringen und sind "die blöde Mama!!!". Wer würde in so einem Moment die Mutterschaft nicht bereuen?

Nun habe ich aber viel über die gesellschaftlichen Zwänge gelesen, dass andere Mütter einen mit ihren Dinkelvollkornkeks-5KurseproWoche-Designerklamotten-Vorstellungen unter Druck setzen würden. Immer wieder liest man ja von diesen ominösen Hubschrauermüttern. Aber - ganz ehrlich - ich habe noch nie im wirklichen Leben eine solche Mutter kennengelernt. (Umkehrschluss - bin ICH vielleicht diese Mutter???)

Seit nunmehr 6 Jahren unterhalte ich mich mit anderen Eltern. Erst in der Krabbelgruppe, dann beim Kinderturnen, auf dem Spielplatz, beim Schwimmkurs etc. Und fast alle Eltern - männlich wie weiblich - lassen ihrem Unmut über ihre Kinder früher oder später freien Lauf.

(Fast) All diese Eltern trinken gern mal einen, viele rauchen, einige gehen oft zusammen, andere eher getrennt aus und treffen sich mit Freunden. Natürlich verändert sich das Ausgeh-, Arbeits- und Partyverhalten. Man kann nicht mehr so spontan sein und langfristig geplante Events werden von Fieberattacken, Unfällen oder Heulkrämpfen torpediert. Und ja - in diesen Momenten bereut man die Mutterschaft. Und - ich finde, dieses Thema sollte nicht so einseitig beleuchtet werden - vielen Vätern geht es sicher ähnlich. Ich kann und will dieses Bild nicht bestätigen, dass der Mann im Prinzip nur als Erzeuger und Geldverdiener in einer Familie fungiert. In meinem Umfeld kenne ich eigentlich keine Partnerschaft, in der es so "einfach" wäre. Fast alle Frauen arbeiten, die Männer sind alle an der Kindererziehung,- betreung und -versorgung beteiligt und jeder übernimmt mal, wenn der oder die andere nicht (mehr) kann.
Meiner Meinung nach würde man dem Thema noch gerechter werden, hieße  es #regrettingparenthood. Denn letztendlich müssen heutzutage auch die Väter einer Menge Erwartungen standhalten. Geld verdienen, immer für die Kinder da sein, die Frau unterstützen, wenn sie ihre Freiräume genauso ausleben möchte wie der Mann. Und das habe ich jetzt nicht von irgendeinem Feministinnen-Blog abgeschrieben -  die meisten Männer aus meiner Bekanntschaft machen das ganz selbstverständlich so.

Doch worauf wollte ich eigentlich hinaus? Bereue ich meine Mutterschaft? Nein. Wünsche ich mir manchmal mein Leben ohne Kinder zurück? Ja. Verdammt nochmal JA! Würde ich meine Kinder abgeben, wenn ich die Möglichkeit hätte? (Hier zögere ich tatsächlich unangemessen lang, bevor ich ein enpörtes "NEIN-Natürlich nicht!" schreibe.)

Vor ein paar Jahren habe ich eventuell meine kinderlosen Freunde oder Verwandten noch mitleidig belächelt, weil sie diese großartige Erfahrung versäumen. Heute beneide ich sie vielleicht ein bißchen. Und vielleicht gehe ich jetzt gleich nochmal zu meinen Kindern, streiche ihnen über den Kopf, rieche an ihren schlafwarmen Hälsen und hole mir die Antwort bei ihnen.

Regretting Parenthood - "? oder !" ?

Samstag, 6. Dezember 2014

Ich liebe euch.

Ich liebe euch, aber manchmal treibt ihr mich zur Verzweiflung.
Ich liebe euch, aber manchmal weiß ich nicht, ob meine Kraft noch ausreicht.
Ich liebe euch, aber manchmal kann ich mir nur noch durch schreien Luft machen.
Ich liebe euch, aber manchmal male ich mir aus, wie das Leben ohne euch verlaufen wäre.
Ich liebe euch, aber manchmal bin ich froh, wenn ihr woanders seid.
Ich liebe euch, denn ihr seid manchmal die zauberhaftesten Wesen der Welt.
Ich liebe euch, denn ihr könnt euch über Dinge freuen, die für uns längst selbstverständlich sind.
Ich liebe euch, denn ihr guckt mich erst böse an und sagt dann, daß ich eure beste Freundin bin.
Ich liebe euch, denn ihr lasst mich manchmal selber wieder Kind sein.
Ich liebe euch.