Donnerstag, 30. Januar 2014

Warum mit 30 alles besser ist


Ich gehöre zu der Sorte Frau, der es nicht leicht fiel, 30 zu werden.
Ein paar Wochen vor diesem Geburtstag wurde ich panisch, wütend und traurig.
Kurzum: Hallo Torschlusspanik!

Irgendwie ist es fast die Mitte meines Lebens. Jedenfalls mehr als ein Viertel. Was hatte meine Mutter, als sie 30 wurde? Wenn man Ehemann, zwei Kinder und Eigenheim weglässt, eigentlich jetzt auch nicht so viel mehr als ich... Habe ich denn ausschließlich Freunde, die bisher mehr erreicht haben? Babydanksagungen, Save the Date-Hochzeitsankündigungen und Polterabendeinladungen flogen ungelesen in den Müll. 

Immer wieder rechnete ich mein Leben durch. Doch, der "mal vorgesehene Lebensplan" könnte noch gut funktionieren, richtige Panik müsste ich erst ab 32 Jahren haben. Als ob sich das Leben für diese selbstgebastelte Planung interessiert. Es fragt uns sowieso nicht und macht am Ende nur eines, nämlich das, was es will. Heute weiß ich, warum mir die Panik vor diesem Geburtstag wochenlang im Nacken saß.

In unserer Gesellschaft sind Frauen begehrenswert, schön und ihnen stehen alle Türen offen, bis sie dreißig sind. Dann kommt der Cut!
Datest du, dann wage es bloß nicht, anspruchsvoll zu sein. Du brauchst schon gute Argumente, um ein zweites Date abzulehnen. "Er ist nicht mein Typ" wird nicht mehr leichtfertig akzeptiert. Kurzum, fehlt dir mit 30 noch der richtige Mann an deiner Seite, vergiss es, der kommt jetzt höchstwahrscheinlich auch nicht mehr.

Als ledig/Single/keine Kinder wirst du fortan missbilligend beäugt. "Was stimmt denn nicht mit ihr? Warum hat sie noch keine eigene Familie?"
Das "junge" vor dem Frau wird von nun an weggelassen, Albernheiten werden Dir nicht mehr verziehen. Möchtest du dich beruflich nochmal verändern? Keine Chance, das hättest du dir mit 25 überlegen sollen. In deinem Briefkasten landen Flyer zum Thema Vorsorgeuntersuchungen, Werbung für die ersten Anti-Aging -Produkte, Ratgeber für Spätgebärende.

"Frauen ab Dreißig" - ein ganzer Markt.

Wer bitte schafft es denn schon, diesen gesellschaftlichen Klischee-Bullshit von sich fern zu halten? Jede Frau, die sich einer solchen Panikmache entziehen will, braucht ein strammes Selbstbewusstsein, eiserne Nerven, einen ausgeglichen Charakter, viel Optimismus, eine belastbare Leber und vor allem innere Ruhe. Wie viele Frauen es von dieser Sorte gibt, wissen wir alle.
Solange Frauenmagazine Artikel wie "Single mit 30- und jetzt ?!?" veröffentlichen, sollte sich niemand wundern, dass sich so viele Frauen so unfassbar schwer tun, mit einer dämlichen, unwichtigen und belanglosen Zahl!

Im April wurde ich 30. Ich saß um 00 Uhr mit einer Freundin in meinem Garten. Sie knallte den Korken der Sektflasche,  in genau diesem einen Moment war meine Panik verschwunden.
Wir feierten zwei Tage lang, mit Familie und Freunden, das Haus voller Leute. Auch wenn ich gar kein Haus hatte.

Ich bin 30 und ich lebe noch. Ziele die ich erreichen möchte, die setze ich mir nur noch selbst. Ich kannte mich nie besser, stand nie mehr zu mir. Ich habe verstanden, dass gar nichts planbar ist und was es heißt, mich selbst zu kennen und zu mir selbst zu stehen. Ich belächle vieles, das mich früher aus der Bahn geworfen hätte. Ich lebe mein ganz eigenes Leben. Mit 30 verlasse ich nicht mehr das Fitnessstudio, steht Miss Bindehaut 2014 im Call-on-me-Outfit neben mir auf dem Laufband. Ein perfektes Bindegewebe ist eben doch nicht das höchste aller Gefühle. Ein viel schöneres zum Beispiel ist, bei sich selbst angekommen zu sein.

Mit 15 dacht ich, mit 25 wär ich verheiratet.
Mit 25 dacht ich, mit 30 wär ich Mutter.
Mit 30 dacht ich, ach leck mich....