Sonntag, 16. März 2014

Wo schläfst du heute?

"Wo schläfst du heute?"
"Wieder großes Bett?"
"Okay."

Same procedure as every night. Und mit "großes Bett" ist mein Bett gemeint. Mamas Bett. Das Kind schläft in meinem Bett. Die ganze Nacht. Jeden Abend. Nicht, dass es nicht ein eigenes Bett hätte. Es hat sogar ein sehr schönes Bett. Mit Betthimmel und Spieluhr und einer kleinen Lampe. Dazu eine Armee an Kuscheltieren und ein schönes weiches Kissen. Das alles in einem liebevoll dekorierten Kinderzimmer. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte. Das Kind in sein eigenes Bett bringen. Und dann in maximal unbequemer Haltung daneben auf dem Fußboden hocken und Händchen halten bis es eingeschlafen ist. Dann wie Catwoman aus dem Zimmer schleichen, um ja nicht auf eine der knarzenden Dielen zu treten und das endlich schlafende Kind zu wecken. Erleichtert auf die Couch sinken und den Abend genießen. Circa eine Stunde lang. Dann wacht das Kind auf, steht weinend in seinem Bettchen und ruft nach Mama. Die ganze Prozedur kann man dann so lange wiederholen, bis man vor Rückenschmerzen nicht mehr hochkommt, oder einfach so entnervt aufgibt und das Kind mit ins eigene Bett nimmt.

Nun müssen Sie wissen, dass Eltern - wie alle Menschen - darauf angewiesen sind, nachts zu schlafen. Die Tage sind anstrengend genug. Und als Alleinerziehende, Vollzeit arbeitende Mama noch viel mehr. Sonst dreht man nämlich irgendwann durch.
Und wenn man dann irgendwann drüber steht, dass Eltern, Großeltern, Verwandte, Bekannte und auch völlig Fremde mäßig bis stark irritiert reagieren, wenn sie hören, dass man ein sogenanntes Familienbett hat, wenn man aufgehört hat, sich dafür zu rechtfertigen, dass man es sich ein bisschen leichter macht, weil man nämlich gerne abends für zwei Stunden seine Ruhe hätte und nachts ungern aller zwei Stunden geweckt werden möchte, dann kann man genießen, dass man ein Kind hat, dass abends gerne ins Bett geht. Und zwar nach dem Sandmann. Man kann genießen, dass man gemütlich im Bett noch ein Buch ankucken kann, man dann einen Gutenachtkuss bekommt, und sich dann ein kleiner Kinderkopf an seine Schulter kuschelt, "schlaf gut, Mama" murmelt, und ziemlich schnell einschläft. Man kann die 20 Minuten, die man in der Stille liegt und darauf wartet, dass die Atemzüge ruhiger werden, dazu nutzen darüber nachzudenken, wie schön das eigentlich ist. Und man fängt an zu verstehen.

Ich für meinen Teil, hasse es, alleine in meinem viel zu großen Bett zu liegen. Ich genieße es, einen anderen warmen Körper neben meinem zu spüren und es beruhigt mich, wenn jemand neben mir leise schnarcht. Warum sollte es einer so kleinen Person anders gehen? Warum sollte ich so unglaublich viel Zeit und Energie darauf verschwenden, einem kleinen Lebewesen einzutrichtern, dass es alleine sein muss? Vielleicht können Sie das erklären, ich kann es nicht.
Und verstehen Sie mich nicht falsch, es gibt sicher Eltern, die ihr Bett nicht teilen wollen, und es gibt sicher Kinder, die gerne allein in ihrem Kinderzimmerbettchen schlafen. Und das ist wunderbar. Aber es gibt eben auch die anderen. Die, die ein bisschen mehr Nähe brauchen. Eltern wie Kinder.

Und ich bin sicher, dass das Kind irgendwann in seinem eigenen Bett schlafen wird. Spätestens, wenn die erste Freundin oder der erste Freund kommt. Wenn nicht, dann müssen wir dann wohl einfach ein größeres Bett kaufen. Aber bis dahin ist es noch sehr lange hin!