Dienstag, 20. Mai 2014

Dead and gone

Heute gab es in meiner Familie einen Todesfall. Ein Cousin von mir ist gestorben. Krebs - was sonst in dem Alter (48)?! Ich bin traurig. Natürlich, werden Sie sagen, logisch ist man da traurig. Aber ich frage mich: warum bin ich eigentlich so traurig?

Ich hatte nie viel Kontakt mit ihm, er war 10 Jahre älter als ich, lebte in einem anderen Bundesland, ließ sich selten auf Familienfeiern blicken. Klar - als Kinder haben wir uns noch öfter gesehen, doch irgendwann geht halt jeder seine eigenen Wege.

Vor ein paar Wochen kam dann die Diagnose - Speiseröhrenkrebs, Metastasen, das volle Programm. Da ist man natürlich erstmal geschockt, aber irgendwie glaubt man ja nicht, dass das Ende dann doch so schnell kommt. Er postete weiter auf Facebook, hauptsächlich irgendwelchen Fussballkram, Danksagungen zu seinem Geburtstag. Vor 2 Wochen ein Bild aus dem Krankenhaus. Berichte über die Chemo, eine OP. Der letzte Post nochmal ein Aufreger über ein Fussballspiel. Das sollte sein letztes digitales Lebenszeichen sein. Gestern dann Organversagen, künstliches Koma. Heute Herzstillstand.  

Und nun frage ich mich - warum bin ich so traurig? Es ist nicht die Trauer um die Person, also die Persönlichkeit, denn ich kannte meinen Cousin ja eigentlich kaum. Ich denke, es ist die Angst, die einen so empfinden lässt. Die Angst, dass es einen selber auch jederzeit treffen kann. Dass es den eigenen Mann, die Eltern, die (oh Graus) eigenen Kinder treffen kann. Und dass man nichts dagegen tun kann. 

Heute noch ein Facebook-Post, eine WhatsApp, eine Nachricht auf dem AB, ein Tweet, ein selbst gemaltes Bild. Und dann - nichts mehr. 

Das sind alles keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse, theoretisch weiß man das alles, hat sich Gedanken darüber gemacht, vielleicht sogar entsprechend Vorsorge getroffen. Doch wie so oft im Leben gilt: man lernt nur durch eigene Erfahrungen. Nur wenn man selbst unmittelbar betroffen ist, kann man eine Situation wirklich verstehen. 

Niemand weiß, wie es ist, ein Kind zu haben, bis man sein eigenes kleines Wunder im Arm hält. Wenn man Liebeskummer hat, hilft kein gutes Zureden von Freunden oder Familie - man muss diesen Schmerz selber durch- und überleben. Keiner kann ahnen wie es ist, wenn die eigenen Eltern sterben. Und niemand kann einem den Kummer abnehmen. 

Ich zum Beispiel möchte keine Ratschläge oder kluge Sprüche. Ich möchte wissen, dass jemand da ist, der mir zuhört, der mich kurz in den Arm nimmt und mir einfach das Gefühl vermittelt, nicht alleine zu sein mit meiner Angst und meiner Trauer. 

Zum Glück habe ich einen Mann, der das ganz gut hinkriegt, gute Freunde, die plötzlich im genau richtigen Moment da sind. Das ist gut zu wissen. Aber am Ende ist jeder auf sich gestellt. Und das macht mir Angst.

Ich hoffe, meinem Cousin geht es gut, wo immer er jetzt auch ist.