Samstag, 25. Oktober 2014

Oh wie schön ist Bullerbü

Wie Sie ja sicher alle wissen, bin ich im Besitz zweier Kinder, eines Mannes und eines manchmal recht strapazierten Nervenkostüms. Um diesen vieren ab und zu mal ein wenig Erholung zu gönnen, hat es sich unsere Familie (wie Millionen andere auch) zur Gewohnheit gemacht, einmal im Jahr zu verreisen.

Früher (hach),als wir alle noch jung, ungebunden, frei, 10 Kilo leichter waren - da war die schwierigste Entscheidung bei der Urlaubszielwahl die Nähe zum Strand, Sonnengarantie, genügend Discos und Bars in der näheren Umgebung und eine möglichst günstige Unterkunft. Zu diesem Zwecke bildeten sich manchmal recht zweckmässige Reisegemeinschaften.
Sehr lebhaft in Erinnerung bleibt eine Reise an die französische Atlantikküste. Meine beste Freundin, ich und ein Arbeitskollege von mir entschieden, uns zu dritt ein 32qm-Appartement zu teilen. Da sowohl meine Freundin als auch ich zu dem Zeitpunkt ungebunden waren und dem ein oder anderen Urlaubsflirt gegenüber nicht abgeneigt, ging es stellenweise recht hoch her. Blöd nur, als sich herausstellte, dass mein Kollege in meine Freundin verliebt war. Aber nun ja - er buchte seinen früheren Rückflug und wir hatten noch eine Menge Spaß. Vor allem, als uns ein Streik der Air France eine unfreiwillige Urlaubsverlängerung inklusive 2 Nächte auf dem Campingplatz bescherte. Dort waren ein paar Freunde von uns (unter anderem übrigens der Mann - doch zu diesem Zeitpunkt nur als Kumpel).
Im Jahr darauf bezogen wir ein Häuschen auf einer griechischen Insel - 3 Mädels und der Mann - immer noch rein platonisch - dies sollte sich aber im Laufe des Urlaubs ändern. Am Ende dieses Urlaubs waren wir ein Paar.

Es folgten noch diverse Urlaube (Portugeil - naja. Nochmal Griechenland - Jassas!), doch irgendwann war die Zeit des gemeinsam-mit-Freunden-in-den-Urlaub-Fahrens dann vorbei, in unserem Falle, als das erste Kind da war. Denn seien wir mal ehrlich - Eltern, die mit einem 4 Monate alten Säugling Urlaub am Ballermann oder an der Costa Brava machen, sind doch wohl zum Glück recht spärlich gesät.

Nun habe ich es aber recht schlau angestellt und einen Mann geheiratet, dessen Eltern ein Häuschen (nun gut, sagen wir ruhig ziemlich schickes Haus) in Schweden ihr eigen nennen. Genauer gesagt in Småland (ja, liebe IKEA-Generation, DAS Småland,  aus dem der kleine Kevin von seiner Mami abgeholt werden möchte - nur eben im Ursprungsland). Und nicht genug - das Häuschen befindet sich im direkten Dunstkreis von Pippi Langstrumpf,  Michel aus Lönneberga, Bullerbü und Kalle Blomquist. Also was soll ich sagen - mein Kindheitstraum, gepaart mit einem Babysitterdienst vor Ort - wer würde da nicht schwach?

So begab es sich nun die letzten 5 Jahre, dass wir alljährlich den Dachgepäckträger aufs Auto schnallten, den Kofferraum bis unters Dach vollstopften, die Kühltasche packten und uns in der Hoffnung auf gutes Wetter, fröhliche Kinder und fitte Großeltern auf den Weg Richtung Norden machten. Jedoch - Sie ahnen es - erstens kommt es anders und zweitens auch. Oft gestaltete sich schon die Hinfahrt als nervliche Zerreissprobe, denn was man als Pärchen ohne Kinder und normalem Blasenvolumen in ca. 10 Stunden bewerkstelligen kann, erweist sich mit bewegungsfreudigen, dauerhungrigen und blasenschwachen Kleinkindern als Stop-and-go-Spiel. Jeder, der schonmal mit Kindern verreiste, kann es sich lebhaft vorstellen, denke ich mir. Alle anderen denken bitte an sich selbst vor ca. 20 bis 30 Jahren zurück (Sie sehen-ich schätze meinen durchschnittlichen Leser als relativ jung ein). "Is noch weit?" "Ist DAS schon Schweden?" " Warum müssen wir noch durch Dänemark fahren?" "Ich hab Hunger!" "Ich will spielen!" "Mir ist schlecht!" "Wo sind die Elche" oder einfach nur "Wuääääääähhhhhhhhh!".

Ich könnte Ihnen nun erzählen, dass wir - endlich angekommen - immer einen fantastischen Urlaub mit eitel Sonnenschein, liebreizenden Kindern, gutgelaunten Großeltern und einem ausgefüllten Freizeitprogramm hatten. Aber dafür schätze ich Sie, geneigte Leser, doch als zu intelligent ein, um mir das so einfach abzukaufen. Ich will nicht ungerecht sein - wir hatten wirklich schöne Tage, die Landschaft ist traumhaft, der Weinkeller des Schwiegervaters sehr gut sortiert und das Wetter war auch ab und zu mal fast sommerlich. Doch seien wir ehrlich - damit hält man nicht zwei Kinder drei Wochen lang bei guter Laune. Und die Eltern leider auch nicht.

Die ersten Tage richtet man sich noch ein wenig ein, hört sich den Wetterbericht der letzten Wochen an ("also bis gestern hatten wir jeden Tag Sonne und 20°C") und hofft jeden Morgen, dass das Rauschen draussen von den Blättern und nicht vom Regen kommt. Sobald das Barometer auch nur ansatzweise steigt, wird das Auto für einen Tagesausflug gepackt, man geht auf Elchsafari, in die Astrid-Lindgrens-Värld (fahren Sie dorthin, wenn Sie mal in Schweden sind und Kinder haben. Es ist zauberhaft!) oder einfach an den See. Nur leider halten es die Schweden mit ihrem Wetter ein wenig wie die Iren - vier Jahreszeiten an einem Dienstag sind nunmal absolut üblich im Land der Fleischbällchen und der Lösgodis (Omnomnom).

Doch oft genug musste ich mir vom Mann schon anhören, ich sei nicht geschaffen für Urlaube im Norden, nicht geländegängig, nicht wetterfest. Dies ist so natürlich nicht richtig. Ich liebe Wetter. 25°C und Sonne, ab und zu eine Schäfchenwolke, eine laue Brise - perfekt. Auch mangelnde Geländegängigkeit lasse ich mir ungern nachsagen. Das Gelände sollte halt aus feinem Sandstrand bestehen, welcher in ein türkisblaues Meer übergeht. Gerne darf sich auch ab und an ein Kellner nach meinen Befindlichkeiten erkundigen. Gegen solch ein Gelände habe ich absolut nichts einzuwenden.

Und so begibt es sich nun, nach 5 Jahren Gummistiefeln, Regenjacke, Kamin anfeuern und absoluter Stille (also - wenn die Kinder im Bett waren), dass die Familie van B unter die Pauschalurlauber geht. Ja, lachen Sie ruhig - es geht nach Mallorca. All inclusive. Bähm! Wahrscheinlich wird es grauenvoll, wir werden das Hoteldasein hassen und diese Schnapsidee verfluchen. Wahrscheinlich werden wir nächstes Jahr reumütig die Thermoskleidung einpacken und Buße tun, in der Hoffnung, dass Sverige uns vergibt.
Doch vielleicht - ganz eventuell - mit ein bißchen Glück - werden wir einfach 2 Wochen Sonne, Meer, gutes Essen, einigermaßen entspannte Kinder und ein ganz klein wenig Erholung haben.

Drücken Sie uns die Daumen! 

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Frau Rakete holt das Stöckchen - und wirft es weiter.

So, da bin ich wieder. Vielen Dank an das Frollein für die Nominierung zu diesem lustigen Blogger-Staffellauf.
Der funktioniert so: 

"Beantworte 11 Fragen, nominiere 11 weitere Blogger (Bescheid sagen nicht vergessen), stelle ihnen 11 selbst ausgedachte Fragen und reiche somit das Staffelstöckchen weiter. Wenn nicht, wirst Du Pickel am Po, 11 Jahre schlechten Sex und jeden Morgen "Brother Louie" als Ohrwurm haben. Ach, fast hätte ich die wichtigste Regel vergessen: verlinke die Person, die Dich nominiert hat."


Lesen Sie dazu bitte auch den den Post "Hol das Stöckchen" von unserem Frollein - die hat mir das hier eingebrockt. ;)

Ich mache da gerne mit und freue mich über die Gelegenheit, mal wieder in die Tasten zu hacken. Mein letzter Blogpost ist ja auch schon viel zu lange her.
Also los.

Nein, Stop: Noch ein kurzer Hinweis. Ich habe manche Fragen länger und andere kürzer beantwortet, und es wird tüchtig in die Tiefe gehen. Das ganze ist sehr persönlich. Also nicht erschrecken oder vielleicht lieber doch die Gala lesen. :) 
Ich habe mich trotzdem bemüht, das ganze -wie immer unterhaltsam- zu verpacken. 



1. Bist Du ein Hunde- oder Katzentyp?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich war früher definitiv ein Katzentyp. Bis ich 30 war, habe ich zeitweise immer wieder Katzen gehabt.

Als ich ein Kind war, war ich mal verschwunden. Meine Mama fand mich nach längerer Suche in einer großen Weidenkiste, umringt von 4 Katzenbabies. Ich hatte von innen den Deckel geschlossen und mich muxmäuschenstill zwischen die kleinen Fellknäuel gekuschelt. Wo immer Katzen waren, da war auch ich.

Einmal hatte ich eine Lieblingskatze namens Kiu. Die kam zu mir als kleines, schwarzes Puschelchen, das genau in meine Hand passte. Mit der war ich so verbunden, dass sie von Tag eins an meinem Kopf schlief und mir nachts am Ohrläppchen nuckelte. Sie lief hinter mir her wie ein Hund. Wenn ich sie streichelte, sabberte sie mich komplett voll. Immer. Kiu und ich waren eins. Selbst beim Tierarzt saß sie ohne Käfig auf meinem Schoß, obwohl das Wartezimmer voller Tiere (und auch voller Hunde) war. Als ich von meinem damaligen Freund auszog, wollte er mir die Katze nicht mitgeben. Das war ok (zähneknirschend, aber wirklich ok, weil die Katze bei ihm einen tollen Auslauf hatte und auch das Revier kannte und ich in eine Etagenwohnung zog), aber ich vermisste Kiu wie ein abgetrenntes Körperteil. Irgendwann lief sie dann weg. Ich sah sie nie wieder. Das war und ist manchmal heute noch schlimm.

Als ich mich später mal wieder entschloss, es mit einer Wohnungskatze zu versuchen, geriet ich an ein wildes Biest von einem Bauernhof, das mich bestenfalls als Dosenöffner, mehr aber als Erzfeind und des nachts als Bolzplatz betrachtete.
Der kleine Teufel schiss mir die Bude voll, hackte nachts in meine Füße und -wenn er seine 5 Minuten hatte- drehte er mit Karacho Runden durchs Schlafzimmer, die Wände hoch, über das Bett, mich, und vor allem auch über mein Gesicht.
Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, ich könnte zur Katzenhasserin werden. Wurde ich aber nicht. Ich gab sie meinem Ex (bei dem sie einen tollen Auslauf hatte), und siehe da, sie wurde ruhiger und umgänglicher, was mich sehr freute.

Ich habe in meinem Leben schon sehr sehr oft von Katzen geträumt. Ich habe mit Katzen gesprochen, als wären es Menschen (oder ich eine Katze), und ich habe sogar mal im Traum mit einer Katze Tango getanzt. Jetzt denken Sie "das ist die verrückte Katzenfrau!", und ich kann es Ihnen nicht verübeln.

Nun war ja die Eingangsfrage, ob ich eher ein Katzen- oder Hundetyp bin. Nun, ich habe weder gegen Hunde noch gegen Katzen etwas einzuwenden. Genauso wenig wie gegen Köln oder Düsseldorf, Bremen oder Hamburg.

Dass Katzen hinterhältiger als Hunde sind, glaube ich nicht. 
Ich glaube, jedes Tier hat einen Charakter, mit dem es auf die Welt kommt. 
Da Katzen aber keine Rudeltiere sind, sind sie nicht so abhängig vom Wohlwollen ihrer Besitzer und suchen sich mitunter, wenn ihnen was nicht passt, einfach ein neues Zuhause. Das kann man gut finden oder doof - ich nehme das nicht persönlich. Es ist einfach die Natur.

Genauso, wie ich Katzen mag, mag ich aber auch Hunde; im Grunde liebe ich alle Tiere. Aber auch bei Hunden differenziere ich sehr wohl.
Es gibt welche, die mag ich sofort, andere kann ich gar nicht leiden (oder die mich). Es ist schon oft vorgekommen, dass eher scheue Tiere (sowohl Hunde als auch Katzen) zu mir Vetrauen hatten und sich ordentlich durchschmusen ließen. Und die Besitzer erstaunt darüber waren.

Ich glaube, das liegt daran, dass ich ein "Tiertyp" bin. Ich liebe Tiere per sé, und ich glaube, das merken die auch.
Deswegen: Einigen wir uns auf "Tiertyp".


2. Leben mit Kind oder ohne - was ist besser (bitte keine falsche Political Correctness!)?

Oha, das ist eine schwere Frage. Ich kann das ja auch nur als die kinderlose Person beurteilen, die ich bin.
Ich glaube, dass es schön sein kann, Kinder zu haben. Ich glaube, dass mit einem Kind eine Art von bedingungsloser Liebe vorhanden ist, die einem vielleicht nicht fehlt, wenn man keines hat, die man aber auch nicht missen wollen würde, sobald man Vater oder Mutter geworden ist.

Sicher sind Kinder saumäßig anstrengend, ab dem Zeitpunkt, wo sie geboren werden. Und vorher schon.
Denken wir mal an die kotzende Herzogin Kate oder die vielen Frauen, die während der Schwangerschaft Wasser ansetzen oder denen das Gewebe reißt und nie wieder zusammenwächst. Die nach der Geburt ihre Pfunde nicht mehr loswerden oder leergesaugte Brüste haben wie plattgekloppte Schnitzel.
Die, bis das Kind nicht mehr gestillt werden muss, nicht mehr ausschlafen können und auch nichts trinken dürfen (ich weiss nicht, was schlimmer ist!).
Die, die nicht mehr ausgehen können wann sie wollen, die keinen Bock mehr auf Sex haben, oder die Alleinerziehenden, die noch nicht mal in die Verlegenheit kommen, Sex ablehnen zu müssen!
Die, die nach der Geburt Depressionen kriegen und sich fragen, wo sie ihr Kind ungestraft in Zahlung geben können.
Oder gar die, die kein gesundes Kind zur Welt bringen und neben der eh schon schwierigen Lebensaufgabe, einen tollen, selbstständigen Menschen heranzuziehen, noch damit beschäftigt sind, ihr schwerkrankes Kind zu pflegen, bis sie selbst den Löffel abgeben...Will ich mit denen tauschen?

Ich weiss es nicht.

Ich habe mal gehört, dass man als Frau in der Schwangerschaft "diese Hormone" hat, die das alles möglich machen. Die, die dafür sorgen, dass man die Geburtsschmerzen vergisst, keinen Schlaf mehr braucht und Nerven hat wie Drahtseile.
Ich glaube, dass man sowieso mit seinen Aufgaben wächst, und dank "dieser Hormone" sogar ganz glücklich werden kann mit der neuen Lebenslage.

Ich denke, man kann durchaus glücklich sein mit der Entscheidung, ein Kind zu kriegen. Dass man damit etwas sinnvolles schafft/geschaffen hat (einem Menschen die Möglichkeit zu geben, sich frei zu entfalten und Freude am Leben zu haben), und dass man später im Alter nicht alleine sein wird. Dass man im Kreise seiner Lieben (wenn die einen dann noch mögen) einen schönen, erfüllten Lebensabend haben wird.

Für mich hat sich die Frage nur einmal gestellt.

Ich war schwanger und habe mich dagegen entschieden.
Meine Lebensumstände zu diesem Zeitpunkt waren mehr als ungünstig. Zukunftsängste, Studium nicht beendet, sehr unglücklich in meiner Heimatstadt Bremen, oft krank, viel geweint und irgendwann endlich mal eine Entscheidung getroffen.
Die Entscheidung, etwas zu ändern und mein Leben in die Hand zu nehmen.

Ich hatte einen Praktikumsplatz in Köln ergattert. 300 €pro Monat, genau 50€ weniger, als mein WG-Zimmer kosten würde. Aber ich wollte das, es war eine Chance, mein Leben (ich hoffte positiv) zu verändern. Dann, kurz vor dem Umzug Sex mit dem Ex (hier bitte alle Vorwürfe, erhobenen Zeigefinger und Verwünschungen einfügen) und -zack- schwanger.

Ich muss sagen: Ich fühlte mich eigentlich wohl, sah super aus, strahlte von innen und hatte das 2. Mal im Leben das Gefühl, komplett zu sein. Rund. Harmonisch. Eigentlich machten mir die Menschen in meiner Umgebung schon Komplimente, bevor ich überhaupt wusste, dass ich schwanger bin. Das war irgendwie schön. Ich fühlte mich wie auf Wolken, heilig, unantastbar. Fasste immer an meinen Bauch.
Aber ich war gleichzeitig entsetzt (ja, sowas geht). Wieder glücklich. Wieder entsetzt. Hin und her gerissen. Und immer müde (ich konnte im Stehen einschlafen).

Und dann wurden die Zweifel immer lauter.
Wie sollte ich das machen, so ganz allein, in einer fremden Stadt? Ohne abgeschlossenes Studium? Schwanger ins Praktikum, und danach zum Sozialamt? In Bremen und damit unglücklich bleiben, depressiv werden und das Kind später dafür verantwortlich machen? Es verfluchen, schlagen, mit dem Saufen anfangen?

Das war ein sehr, sehr großes Dilemma, in dem ich da steckte.

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich zur Beratungsstelle ging, um über einen Abbruch zu sprechen. Die Beraterin war sehr einfühlsam, aber auch sehr realistisch.
"So ein Baby ist nicht nur Freude. In erster Linie braucht es all Ihre Energie. Es wird Sie aussaugen. Es ist selten so romantisch, wie man sich das im Allgemeinen vorstellt, vor allem ohne Partner. Sie sollten sich das gut überlegen."
(Zu meinem Ex nur soviel: Er hatte schon ein Kind von einer anderen Ex und wollte kein zweites. Ich konnte das verstehen. Ich hatte zwar noch kein Kind, aber hätte mich idealerweise über eine Unterstützung für mich und über einen motivierten Vater für das Kind gefreut. Weder das eine noch das andere war zu erwarten).

Später saß ich beim Frauenarzt, der absurderweise erst einmal prüfen musste, ob der Fötus überhaupt 'in Ordnung' war. Als er sagte: "Oh, sehen Sie mal, das Herz schlägt!", und ich erschrocken auf den Monitor und dieses kleine runde etwas mit dem pochenden Herzchen blickte, brach ich in Tränen aus. Danach saß ich heulend und zusammengesunken auf dem Fußboden, der Arzt auf mich einredend...
"Sie können das schaffen, ich habe das auch geschafft, obwohl es nicht einfach war!!"
"Sie hatten ja auch eine Partnerin dazu! Sie haben ja auch nicht mein verkorkstes Leben und Sie sind nicht depressiv, weil Ihr Leben eine Pizza Stagnazione ist! Ich weiss ja noch nicht mal, wohin mit mir- wie soll ich da wissen, wohin mit einem Baby? Wenn ich hierbleibe, nur weil meine Eltern hier wohnen, die mich eventuell irgendwie unterstützen könnten, werde ich für immer unglücklich sein. Ich befürchte, dass ich das auf das Kind projizieren könnte. Und das will ich nicht. Ich kann das nicht. Ich schaffe das nicht".

Und was man nicht glaubt, schaffen zu können, das schafft man auch nicht.

Ich wusste, dass ich mich trennen musste, und -im übertragenen Sinne- riss ich das Kind aus mir heraus wie man ein kleines Pflänzchen aus der Erde rupft, mit einem Ruck. Und das tat weh. Wahrscheinlich mehr, als die Geburt weh getan hätte. Geburtsschmerzen (habe ich mir von Müttern sagen lassen) vergisst man ja irgendwann. Aber Schmerzen, die so ein Schwangerschaftsabbruch macht, vergisst man nie.
"Eine gerechte Strafe", werden manche vielleicht sagen. Ja, kann sein. Vielleicht war es aber auch die richtige Entscheidung.

Ich hatte danach nur einen Wunsch: Wenn ich noch mal schwanger werden sollte, dann bitte mit einem Partner, der sich genau wie ich auf das Kind freuen würde. Einen solchen Partner habe ich bisher nicht gefunden. Und deswegen wollte ich auch nicht wieder schwanger werden.

Das heißt nicht, dass ich das nicht noch werden könnte (ganz vielleicht). Es ist schon sehr spät, ich bin 40, und ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass das wahrscheinlich nichts mehr wird. Jedenfalls nicht um jeden Preis. Ich bin aber auch nicht (mehr) depressiv deswegen.
Klar tut das manchmal noch weh.
(Heute wäre das Kind 10 Jahre alt. Ich weiß, dass es ein Junge geworden wäre, denn ich hatte knapp ein Jahr nach dem Abbruch einen Traum, indem ein kleiner Junge mit schwarzen glatten Haaren und offenen Armen auf mich zugerannt kam. Dieser Junge sah aus wie mein Exfreund. Kein Beweis, aber ein sehr sicheres Gefühl. Da dieses Kind glücklich war, habe ich mir zurechtgelegt, dass es ihm, wo auch immer er ist, gut geht. Und das ist gut so).

Ich hörte in meinem Leben schon oft "Du kannst so gut mit Kindern umgehen. Hast Du Kinder? Du wärst sicher eine tolle Mutter". Ja, vielleicht wäre ich das, und vielleicht wäre ich heute eine bessere Mutter als ich damals gewesen wäre.
Wer weiß schon, ob das richtig war. Sehr oft denke ich aber: Ja, das war genau richtig so. Sonst wäre ich heute nicht da, wo ich bin, inklusive neuer Heimat, zwei Jahre Gespräche mit dem Klempner, nem wirklich tollen Job und vielen lieben Menschen um mich herum.

Mein Leben ist gut so, wie es ist. 

Und wenn doch noch ein Kind in mein Leben kommt, dann wird auch das gut sein. Da bin ich sicher. Ja, scheiß drauf, dann bin ich halt 60, wenn der kleine Hosenscheisser seine Abifeier hat.

Um die Frage also abschließend zu beantworten: Es hat beides seinen Reiz.


3. Wenn du eine Krankheit heilen könntest - welche wäre das?

Ich würde gerne Depressionen heilen. Da Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden, schwächen Depressionen mit Sicherheit das Immunsystem.
Ich glaube, sie können der Nährboden sein für Krankheiten, Viren & Bakterien (Geburtsfehler und Erbkrankheiten ausgenommen).

Ich erhebe da natürlich keinen Anspruch auf Richtigkeit (bitte keine Grundsatzdiskussionen!), aber -mein höchst persönlicher Glaubenssatz ganz allgemein in den Raum gehustet- wer glücklich ist, der hat auch mehr Energie und bessere Widerstandskräfte. Und der erholt sich auch schneller.

Warum Menschen sterben müssen, die glücklich sind oder gestorben sind, die glücklich waren, das vermag ich nicht zu sagen. Das Leben ist halt manchmal einfach beschissen ungerecht.

Aber dennoch: Ich würde gerne Depressionen heilen können. Punkt.


4. Es brennt. Was rettest Du aus Deiner Wohnung (abgesehen von Dir und anderen lebenden Haus- Wohnungsbewohnern)

Vermutlich nur ein Foto von meiner Großmutter, das bei mir an der Küchenwand hängt, und das es nicht in digitaler Form gibt. Auf alles andere könnte ich verzichten.

Ich würde zwar kurzfristig geschockt sein und mich ganz nackt fühlen (wenn ich nicht sogar eh gerade unter der Dusche stand, als das Feuer ausbrach), aber aus meiner Vergangenheit habe ich gelernt: Wer nix hat, kann auch nix verlieren. Und das ist ein sehr schönes und sehr leichtes Gefühl.


5. Auf welche Sache könntest Du in Deinem Leben am wenigsten verzichten?

Auf meine Wärmflasche. Aber sowas kann man ja auch an jeder Straßenecke kaufen.


6. Du hast ein Jahr bezahlten Urlaub - was machst Du?

Ich reise um die Welt, zumindest versuche ich es. Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann zu sterben und nicht versucht zu haben, die Welt zu sehen. Dafür ist sie zu schön.

(Ich fliege im November nach Island. Da wäre ich nie freiwillig hingeflogen, aber es gab eine gute Gelegenheit, und ich habe sie am Schopfe gepackt. Wenn ich daran denke, die Polarlichter zu sehen, leibhaftig, mit meinen eigenen Augen, dann könnte ich jetzt schon zu flennen anfangen, so schön finde ich das. Die sieben Weltwunder, die Meere, die Farben, die Gerüche - das muss ich alles sehen, schmecken, riechen, hören und fühlen, bevor der Sensenmann vor der Tür steht.)


7. Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem Du Sex hattest?

Ein Hinterhof in Hamburg-Winterhude. War schön gewesen.


8. An welches Jahr erinnerst Du Dich besonders intensiv?

1992. Das Jahr, in dem ich Abi gemacht habe und von zu Hause ausgezogen bin. In dem ich viel gearbeitet und viel Geld verdient habe, viel ausgegangen bin, das erste Mal einen Dienstwagen hatte und so richtig Autofahren (heizen) lernte. Das war das Jahr, als ich das maximale Freiheitsgefühl hatte, und als ich dachte, das Leben sei eine fabelhafte Wundertüte.

Isses ja auch heute noch.

Manchmal.


9. Warum twitterst Du?

Weil es der direkte Weg ist, einen Gedanken in x (hier Anzahl der Follower eintragen) Gehirne einzupflanzen. Oder einen Lacher. Weil es schnell Resonanz gibt.

Twitter ist sowas wie ein See: Du schmeißt einen Stein rein, und er erzeugt ein paar kleine Kreise. Manchmal auch ne richtige Welle. Und ganz Selten nen Tsunami (Shitstorm). Ist mir aber zum Glück noch nicht passiert. Toi Toi Toi.


10. Welche Eigenschaft stört Dich an anderen Menschen am Meisten?

Unehrlichkeit.
Ich hasse Lügner. Lügen bedeutet, sich der Verantwortung zu entziehen. Ich finde, wenn man so richtig Scheiße gebaut hat, sollte man auch dazu stehen.

Lügen, um besser dazustehen, finde ich auch ganz, ganz übel. Sich mit Fremden Federn schmücken zum Beispiel.
Im Weitesten Sinne gehören Schönheits-OPs in diese Kategorie. Eine korrigierte Nase und eine aufgespritzte Lippe: Das ist eine (offensichtliche) Lüge, für die es oftmals trotzdem Applaus gibt.
Ja, jetzt könnte man sagen: Bist ja nur neidisch, kannst ja selber auch lügen.
Ja, stimmt. Vielleicht bin ich neidisch, vielleicht könnte ich selber auch lügen. Mache ich aber nicht. Ich will nämlich im Laufe meines Lebens dazu kommen, dass ich zu mir selber stehen kann, und zwar mit allen Ecken, Dellen und Kanten, die ich habe. Mit allen Fehlern und mit allem Scheiß, den ich fabriziert habe.
Ich will das alles überwinden, das Nicht-Perfekte akzeptieren und glücklich und zerdellt meinen Rucksack für die letzte Reise packen.


11. Du hast noch einen Tag zu Leben - was tust Du?

Ich rufe alle an und sage ihnen, wie lieb ich sie habe.
Dann räume ich meine Wohnung aus und verschenke alles. Ich verteile free Hugs auf der Straße und frage einen sehr hübschen Mann, ob er mich knutschen möchte. Und wenn es am schönsten ist, mach ich die Biege. Mit einem schönen Gefühl im Bauch.



Aber vielleicht probier ich das mit dem hübschen Mann ja schon vorher.
Und vielleicht überleb ich das ja sogar.
Und vielleicht geh ich mit dem dann auf Weltreise.
Und vielleicht kommen wir mit drei Katzen, vier Hunden und einem Baby zurück.



Aber vorher stelle ich noch 11 Fragen. 

1. Barfuß oder Lackschuh?
2. Was war das Peinlichste, was Du je getan hast?
3. Was ist Dein absoluter Traum (egal, ob umsetzbar oder nicht)?
4. Wenn Du sehr sehr viel Geld finden würdest (so ca. 500.000 €) und wüsstest, dass Dich keiner dabei beobachtet hat, würdest Du es behalten, und wenn ja, was würdest Du damit machen?
5. Würdest Du ins Dschungelcamp gehen?
6. Da steht ein Flieger für Dich. Wohin geht die Reise?
7. Wenn Du mit jemandem in die Kiste springen dürftest (freie Auswahl, für diese Frage bist Du Single!), wer wäre das (hier eine bekannte Persönlichkeit o.ä. einfügen)?
8. Wenn Du ein Mann bist: Was ist das faszinierende an Baustellen? Wenn Du eine Frau bist: Was ist das faszinierende an Schuhen?
9. Ganz ehrlich: Wenn es gesellschaftlich nicht so verpönt wäre, würdest Du Dich mit Wonne aushalten lassen?
10. Für 500.000 € - lieber eine (sehr große, lebende) Spinne essen oder lieber mit Deinem übelsten Erzfeind vögeln?
11. Wolle Rose kaufe?

Ich nominiere


Mehr fallen mir nicht ein. So auf die Schnelle. Ich sollte vielleicht mehr Blogs lesen.

In diesem Sinne,
Ihre Erna Rakete.


Montag, 20. Oktober 2014

Hol das Stöckchen!

Nominierungen sind in. Spätestens seit der Ice-Bucket-Challenge wird nun jeder für alles nominiert.
Nenne Deine 5 Lieblingsbücher, Deine 3 Lieblingsfilme, Dein Lieblingsbuch und Deine Lieblingsposition im Bett (also ich liege am liebsten auf der rechten Seite mit meinem Handy in der Hand). Wenn nicht, zahle 100 Euro an den Springer-Verlag oder werde Kai Diekmanns Ghostwriter. Da man das natürlich vermeiden möchte, macht man jeden Scheiß mit.

Nun also "Hol das Stöckchen!":

Beantworte 11 Fragen, nominiere 11 weitere Blogger (Bescheid sagen nicht vergessen), stelle ihnen 11 selbst ausgedachte Fragen und reiche somit das Staffelstöckchen weiter. Wenn nicht, wirst Du Pickel am Po, 11 Jahre schlechten Sex und jeden Morgen "Brother Louie" als Ohrwurm haben. Ach, fast hätte ich die wichtigste Regel vergessen: verlinke die Person, die Dich nominiert hat. In meinem Fall war das die fabelhafte grüne Fee MeggSchicksi. Merci Madame.

Nun also hier meine Antworte auf die äußerst intimen und (mehr oder weniger) geistreichen Fragen:

1. Nimmst du von dir aus Kontakt zu Menschen auf, die du seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen hast und warum (nicht)?

Selten. Manchmal mache ich das bei Leuten, von denen ich etwas wissen oder haben will (also z.B. eine Auskunft oder eine Dienstleistung). Ansonsten habe ich mit vielen Menschen aus meiner Vergangenheit abgeschlossen und nicht unbedingt das Bedürfnis nach Kontakt. 

2. Eigene Kinder haben – ja oder nein? Warum?

Ja. Zwei. Soll ich jetzt die Sache mit den Bienchen und den Blümchen erklären? Oder wollt ihr dazu vielleicht einfach folgende Blogposts von mir lesen: Wunschkind bzw. Affenliebe

3. Verkneifst du dir irgendeine Sache, die du eigentlich sehr gerne hast? Warum?

Zur Zeit verkneife ich mir Chips und Schokolade. Ansonsten verkneife ich mir sehr häufig ein paar bissige Kommentare auf Twitter. Und ich verkneife mir das Ansehen von Trash-TV-Formaten, da der Mann mich dann immer rügt. 

4. Welches Rollenverständnis hast du von Mann / Frau?

Eigentlich wünsche ich mir eine Rolle als Frau wie in einem Doris-Day-Film. Da ich zur Zeit aber leider die Hauptverdienerin in unserer Familie bin und der Mann sich ziemlich viel um die Kinder kümmert, wird das wohl leider nichts. 
Außerdem ist das Auto auf mich zugelassen und ich habe meistens die Macht über die Fernbedienung. Ich warte eigentlich stündlich darauf, dass mir Eier wachsen und ich erklären kann, was Abseits ist.

5. Was verstehst du unter “Erfolg”?

Erfolg ist, wenn ich etwas schaffe, wofür ich mich anstrengen musste. Das hat am wenigstens mit Geld oder Beruf zu tun, sondern eher mit persönlichen Zielen und Hürden. Und wenn ich es schaffe, dass meine Kinder irgendwann ein glückliches Leben führen, wird das mein größter Erfolg sein.

6. Kannst du kochen?

Früher kochte ich oft und gerne und viele leckere und ausgefallene Gerichte. Heute beschränkt sich mein Repertoire auf Nudeln "mit ohne", Spiegeleier und Pfannkuchen. Ich werde mich aber vielleicht mal wieder an etwas Anspruchsvolles heran wagen. Morgen gibt es Milchreis!

7. Bist du eher Messie oder Pingelkopp?

Ich wäre gerne Pingelkopp, aber die Familie arbeitet gegen mich. So beschränke ich mich auf Schadensbegrenzung.


8. Welche Sportart betreibst du (wenn überhaupt)?

Ich würde ja gerne mal wieder, habe aber keine Zeit (ist das eigentlich die älteste Ausrede, seit es Fitnessstudios gibt?)

9. Hast du im Internet ein alter ego in Form einer Kunstfigur (also nicht nur ein ausgedachter Name)?

Nein.

10. Familienfeste – spießig oder doch eher spaßig?

Och - ich mag Familienfeste. Ich bin da nicht so. Und meine Familie ist echt okay. Voll öde, ich weiß.

11. Was ist für dich der Sinn deines Lebens?

42 (gibt es andere gültige Antworten?)

So, damit wäre dieser Teil geschafft. Ich nominiere nunmehr:

@Hauptstadtgoere
@denkfett
@Larenzow
@Betriebsfamilie
@_LotteG
@Mittsommar
Ich würde gerne noch @honigsuess nominieren, aber sie bloggt nicht, soweit ich weiss.

Mit mehr Twitterern möchte ich es mir vorerst nicht verscherzen. Man möge es mir nachsehen.

Und hier nun eure Fragen:

1. Bist Du ein Hunde- oder Katzentyp?
2. Leben mit Kind oder ohne - was ist besser (bitte keine falsche Political Correctness!)?
3. Wenn du eine Krankheit heilen könntest - welche wäre das?
4. Es brennt. Was rettest Du aus Deiner Wohnung (abgesehen von Dir und anderen lebenden Haus- Wohnungsbewohnern)
5. Auf welche Sache könntest Du in Deinem Leben am wenigsten verzichten?
6. Du hast ein Jahr bezahlten Urlaub - was machst Du?
7. Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem Du Sex hattest?
8. An welches Jahr erinnerst Du Dich besonders intensiv?
9. Warum twitterst Du?
10. Welche Eigenschaft stört Dich an anderen Menschen am Meisten?
11. Du hast noch einen Tag zu Leben - was tust Du?

So ihr Lieben - viel Spaß damit und haltet das Stöckchen hoch.