Donnerstag, 3. September 2015

Ein Bild

Ein Bild von einem toten Kind. Klein, unschuldig, niedlich. Aber - tot.

Das kann man finden, wie man will. Aufklärerisch. Reißerisch. Schockierend. Grausam.

Ich habe leider im großen weiten Netz schon zu vieles gesehen, was ich nicht sehen wollte. Geköpfte Frauen, gekreuzigte Jungs, auch schon andere tote Kinder.

Ich habe Berichte (ob fiktiv oder nicht) über Fluchten gelesen, bei denen Kinder über Bord geworfen wurden, weil sie zu laut waren.

Das alles kumuliert sich und plötzlich kommt dann noch so ein Bild dazu von einem Kind im Alter meines Kindes. Und ich frage mich - was hat es gefühlt?
Was fühlen alle diese kleinen Kinder auf der Flucht. Unsere Kinder haben sich mit einem Umzug ein paar Strassen weiter schwer getan. Und diese Kinder müssen in ein fremdes Land, in völliger Ungewissheit, wo sie letztendlich ankommen.

Man muss kein Pädagoge sein, um sich in diese kleinen Wesen hineinzuversetzen. Wir alle waren einmal Kinder. Kinder mit Ängsten. Kinder, die nachts zu ihren Eltern ins Bett gekrochen sind. Kinder, die Verlustängste hatten. Kinder, für die ihre Eltern die großen Helden waren, die alles wussten und mit denen an der Seite einem nichts passieren kann. Und dann ist Mama plötzlich weg, Papa ist nicht zu sehen und das kleine Kind ist alleine im großen Meer.

Ich war jüngst in Schweden. In Schweden gibt es bekanntlich viele Seen. Wir mieteten uns ein Boot, die Kinder und auch wir hatten natürlich Rettungswesten an. Trotzdem hielt ich das kleine Kind, das - auch wenn es glaubt, wenn es eine Badehose anhat, wäre es quasi ein Fisch - kein bisschen schwimmen kann, die ganze Zeit fest an mich geklammert. Und dachte an all die Mütter, denen es nicht gelungen ist, ihr Kind festzuhalten.

Ich habe nicht jetzt erst angefangen nachzudenken. Doch jetzt ist zu den Bildern in meinem Kopf noch ein reales Bild hinzugekommen. Ich hätte darauf verzichten können, doch geändert hätte sich dadurch nichts. Zuviele Kinder, Frauen und Männer sterben einen völlig sinnlosen Tod im Mittelmeer.

Bitte hört auf, euch wegen der Veröffentlichung eines Bildes zu zerfleischen. Man kann auch Zahnpasta nicht in die Tube zurück drücken.

Helft. Helft, so gut ihr es könnt. Und wenn ihr nur ein paar Euro an eine Hilfsorganisation spendet. Oder einen Schlafsack bei einer Sammelstelle abgebt.

Ein Bild von einem toten Kind. Vielleicht ist es ja doch zu etwas gut. Ich hoffe es aus ganzem Herzen.