Freitag, 27. November 2015

Von unpolitischen Menschen

Ich bin im Grunde meines Herzens ein sehr unpolitischer Mensch. Ja, ich gehe brav wählen, sogar zur Europa-Wahl. Und ich beteilige mich auch gelegentlich an Volksabstimmungen. Ich mache mein Kreuzchen und weiß doch – es wird sich nichts ändern. Die Politik der „großen“ Parteien ist nahezu identisch nur mit einem anderen Etikett drauf. Klar kann man „Die Partei“ wählen oder die APPD (Alternative Pogo Partei Deutschlands), man kann sich aber auch genauso gut einen Knopf an die Backe nähen und so lange drehen, bis man den RIAS empfängt (die Älteren von Ihnen werden sich erinnern).

Aber im Grunde fühlt man sich als Bürger doch machtlos. Manchmal wählt man sogar eine Partei, weil einem der Spitzenkandidat sympathisch ist und dann tritt der kurz nach der Wahl zurück.

Es war ja auch lange Zeit populär, unpolitisch zu sein. Es war ja auch alles gut. Entweder regiert die SPD oder die CDU mit irgendwem zusammen und alles läuft mehr oder weniger gut weiter wie bisher. Na klar gibt es Gemauschel und so weiter aber so ist das eben „da oben“.

Ich war einige Zeit im Betriebsrat eines relativ großen Konzerns (nein, nicht VW!). Ich habe an den Sitzungen an meinem Standort teilgenommen und an diversen Gesamtbetriebsratssitzungen in der Zentrale. Und was soll ich sagen? Alle versuchten natürlich, das Beste für ihr jeweiliges Arbeitsgebiet herauszuholen. Natürlich tat man immer so, dass man das Beste für alle Mitarbeiter, die man vertrat, wollte. Aber hey – erstmal die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen. Ich selbst war auch nicht besser. Ich war gerade schwanger und natürlich setzte ich mich dafür ein, dass Sonderzahlungen auch an Personen in Elternzeit weiter in voller Höhe gezahlt werden. Hallo?! Klar macht man das, wenn man die Gelegenheit hat.

Ich habe das alles nur im ganz kleinen Rahmen kennengelernt, bin mir aber hundertprozentig sicher – so läuft es überall ab. Jeder versucht, das möglichst Beste für seinen Bereich herauszuholen.

Warum erzähle ich das alles?

Ich habe mich lange davor gescheut, politisch Position zu beziehen. Ich habe keinen Bock auf Diskussionen mit Idioten, egal welcher Couleur (schreibt man das so? Googlen Sie selbst!). Ich sehe es Tag für Tag auf Twitter, wie Leute versuchen, in 140 Zeichen ihre Meinung durchzudrücken. Und da habe ich keine Lust drauf. Es ist unmöglich und es ist sinnlos. Es hat sich noch nie (und da lege ich mich fest) jemand durch eine Twitter-Diskussion eines Besseren belehren lassen. Egal, ob es um Rechtschreibung, Star Wars, Käsekuchen, Impfen oder Politik geht. Und das ist in allen sozialen Netzwerken so, können Sie mir nix erzählen.

Dennoch möchte ich hiermit einmal klarstellen, welche Position ich beziehe. Verwickeln Sie mich bitte nicht in Diskussionen, ich werde nicht darauf eingehen.

Ich finde es richtig, Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Ich finde es richtig, sie zu integrieren. Ich finde es falsch, sie in riesengroßen Massenunterkünften unterzubringen. Ich finde es furchtbar, sie im Kalten irgendwo draußen warten zu lassen. Ich finde es unentschuldbar, wie durch manche Medien Panik und Angst verbreitet wird. Ja – auch ich habe Angst. Ich habe Angst, dass in diesem Land etwas ähnliches passiert wie vor ca. 100 Jahren. Dass Menschen gebrandmarkt werden. Vielleicht habe ich sogar ein bisschen Angst vor einem Terroranschlag, aber nicht so sehr, weil er mich betreffen könnte, sondern vor den Folgen. Den Folgen für unsere Freiheit. Für unsere Meinungsfreiheit. Unsere Bewegungsfreiheit.

Wie ich schon sagte ich bin ein unpolitischer Mensch. Ich maße mir nicht an, alle globalen Zusammenhänge zu kennen oder zu erkennen. Ich bekommen meine Informationsbröckchen über die gängigen Tageszeitungen und setze sie zu einem unvollständigen Bild zusammen. Viel mehr kann ich nicht tun. Aber wenn ich sehe, was ein Herr Trump in den USA von sich gibt. Oder ein Herr Lucke in Dresden / Erfurt / wasweissich. Oder ein Herr Seehofer in Bayern. Dann möchte ich bitte einen großen Eimer gereicht bekommen und kotzen.

Nein – ich habe auch keine Lösung parat. Ich bin kein Zauberer, sondern einfach nur ein fühlender, denkender Mensch. Und ich möchte einmal klipp und klar meine Position darlegen. Ich verabscheue rechtes Gedankengut. Ich unterstelle jedem Menschen per se erstmal nur die besten Absichten. Ich bin aber nicht naiv und weiß, dass es genügend schlechte Menschen auf der Welt gibt. Aber ich möchte nicht glauben und ich möchte es mir auch nicht vorstellen, dass diese Menschen die Oberhand gewinnen. Ich glaube an das Gute im Menschen (wer was anders behauptet, kriegt ein paar aufs Maul!).

So – machen Sie aus diesem Text, was Sie wollen. Aber bitte versuchen Sie nicht, mir irgendwelches krude Gedankengut unterzuschieben.


Danke.